26 Erstes Buch. Eilftes Kapitel.
und ihm dienen konnten. Wir hingegen wer: den von innern Gemüthsbewegungen zu sehr beunruhiget und streben zu ängstlich nach ver gänglichen Dingen. Selten überwinden wir auch nur einen Fehler vollständig, und um täglich vollkommener zu werden dazu haben wir keinen Eifer; deßhalb bleiben wir kalt und lau.
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3. Wären wir uns selbst gänzlich abgestorben und hingen wir nicht an der Welt, dann würden wir auch das Göttliche verstehen und in der Betrachtung himmlischer Dinge Freude finden. Das größte, wenn nicht überhaupt das einzige Hinderniß ist jedoch, daß wir von unsern Leidenschaften und Begierlichkeiten nicht frei sind und uns nicht bemühen, auf dem Wege der Heiligen zu wandeln. Wenn uns auch nur die geringste Widerwärtigkeit zustößt so lassen wir gleich den Muth sinken und suchen wieder menschlichen Trost.
4. Wahrlich, strebten wir dahin, wie tapfere Männer im Kampfe auszuharren, so würde die Hülfe uns vom Himmel kommen. Der, welcher uns in den Streit führt, damit wir siegen, ist auch bereit, die Streiter zu unterstüßen, die auf seinen Beistand rechnen. Bauen wir unsern Fortgang in der Gottseligfeit nur auf gewisse äußerliche Uebungen, so wird es mit unserer Frömmigkeit bald zu Ende gehen. An die Wurzel muß die Art gelegt werden, damit wir von bösen Neigungen gereinigt, den innerlichen Frieden erlangen. Univ.- Bibl. Giessen


