I.
Vorläufiger Unterricht.
1. Ueber die Andacht zu dem heiligsten Her zen Jesu und ihrem Ursprunge.
Wer immer Jesum kennt und liebt, und weiß, was Tugend durch Liebe dem Herzen ist, gewiß der wird und muß das göttliche Herz verehren und lieben. Darum kann man auch mit Wahrheit sagen, daß die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu so alt sei als das Christenthum selbst; weil sie nichts Anderes ist, als die Verehrung Jesu in dem Gnadenschaße seiner Heiligkeit und Liebe. Denn, indem wir unsern Gott und Heiland verehren und anbeten, richten wir vorzüglich unser Augenmerk auf sein heiligstes Herz, den Sitz seiner göttlichen Liebe zu uns, und die unversiegbare Quelle, aus welcher alle Gnaden und Segnungen, die wir ihm zu verdanken haben, geflossen sind.
Dieser Liebesbrunnen wurde uns auf Golgatha eröffnet, wo denn auch zu der besonderen Verehrung des göttlichen Herzens gleichsam der Grund gelegt wurde. Einer der Kriegsknechte eröffnete die Seite Jesu mit einem Speere, sagt der Evangelist Johannes, cap. 19, v. 34. Die heiligen Väter, und namentlich der heilige Augustin bemerken bei Auslegung dieser Worte sehr richtig, daß der Evangelist nicht ohne besondere Absicht das Wort er= öffnet" gebrauchte; da er sonst, und wie es scheinen möchte, viel natürlicher hätte sagen können,


