Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. 9 den meisten nicht einmal erkannt. Menschen! erwäget dieß mit Ernst! Wir, nichts als Erde, wir dürfen uns mit dem Unendlichen besprechen! dürfen ohne Zurückhaltung und Scheu ihm alle unsere Gedanken eröffnen, und Alles von ihm erbitten, was wir nöthig zu haben glauben! Und er vergönnt uns nicht nur diesen Zutritt vor sein allerheiligstes Angesicht; sondern ladet uns sogar liebreich dazu ein mit der Versicherung, so oft unser Gebet zu erhören, als es mit seiner Weisheit und unserm ewigen Heil sich verträgt. Welchen Dank verdient diese unaussprechliche Liebe! Ohne Gebet müßten wir schlechterdings in unserm Elend vergehen; kein Trost, keine Hoffnung bleibt dem Unglücklichen, bleibt der leidenden Tugend, der verfolgten Unschuld übrig, wenn uns die Zuflucht zu Gott durch das Gebet nicht offen steht.
Rückt uns das Gewissen die Vergehungen mancher langen Jahre vor; erfüllt uns das Bewußtsein unserer täglichen Fehler mit Scham und Unruhe: so müßten wir
―
—


