64 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem.
und über das ganze volk; und zulegt hat er auch eine zeit diese un gewöhnlichen worte dazu gesagt: Wehe auch mir! in dem worte ist er ohngefähr von der feinde geschoß getroffen worden, und also todt geblieben. Diese und andere große zeichen sind vorhergegangen, ehe Jerusalem zerstört worden ist.
Nun wollen wir auch von der zerstörung an ihr selbst reden. Da die juden, wie Stephanus saget, als mörder und verräther, den gerechten und unschuldigen Christum getödtet hatten, ist es mit dem ganzen jüdischen reiche in allen städten immer ärger geworden. Die hohenpriester huben an, und übten tyranney wider die andern prie: ster; unter den andern gewaltigen war allerlei haß und neid, und schickte sich alles zur uneinigkeit im regimenté, und ließ sich es ansehen, daß eine große ånderung und zerrüttung des reichs vorhanden wäre. Aus solchem zwiespalt und haß der gewaltigen unter sich, er huben sich rotten, und allerlei zertrennungen: und außerdem trug sich allerlei unglück zu, viel raubens und mordens in und außer der stadt Jerusalem: und schickten sich alle sachen, daß beide regimente des volks, das geistliche und weltliche, in trümmern gehen wollten.
Daher geschah es auch, daß der kaiser Nero Cestium Florum in das jüdische land schickte; und als er den juden sehr hart war, und in vielen dingen seinen geiz, stolz und muthwillen übte, haben ihn die juden verjagt, und als er mit ihnen zu schlagen kam, hat er fünf tausend mann der seinigen verloren. Also wütheten die juden durch gottes verhängniß, daß sie sich auch wider die Römer setzten, und von ihnen abfielen. Als aber der kaiser Nero das erfuhr, schickte er Flavium Vespasianum mit ſeinem sohne in Syrien,
Es ist um diese zeit im ganzen Orient, wie auch Tranquillus schreibet, eine gemeine fage und ein gerüchte gewesen, daß eben um biese zeit etliche, so aus Judda kommen würden, sehr groß und sehr prachtig in aller welt werden sollten. Und wiewohl das an dem geistlichen reiche Christi also wahr ward, daß der name Chrifti durch die predigt des evangelii, welcher aus dem jüdischen stamme gebos ren ist, in aller welt groß ward, so haben es doch etliche von dem Vespasianus verstanden; die juden aber zogen die weissagung auf sich, und nachdem ihnen etliche schlachten wider die feinde geriethen, wurs ben sie stolz, machten drei hauptleute, und griffen mit gewalt die stadt Ascalon an, da sind sie in zweien schlachten darnieder gelegt worden, haben, ohne die hauptleute, die umkommen sind, bei die zwanzigtausend mann verloren.
Nachdem zog also Vespasianus auf befehl des Kaisers in Gali láa, welches ein volkreiches land war, verwüstete und verheerete alles burchaus, und ward des mordens, raubens und brennens kein ende; da wurden viel tausend Juden, und auf einmal an die funfzig tau send wehrhafte månner erschlagen, ohne weiber, kinder, gemeinen pobel und landvolk. Das kriegsvolk hat da weder alt noch jung vers schonet, nicht der schwangern, nicht der kinder in den wiegen. Sechs tausend junge manner hat Vespasianus auf einmal, als leibeigene leute geschickt, an dem Isthmo zu graben in Uchaja. Dreißig tausend jüdische kriegsleute sind zu der zeit auf einmal für leibeigen verkaufet. Fünf tausend haben sich aus verzweifelung selbst von hohen felsen berab gestürzt


