●
63
wie ihr wisset. Und sie gingen hin, und verwahrten das grab mit hür tern, und versiegelten den stein.
Beschreibung der Zerstöhrung der Stadt Jerusalem.
As
die zeit herbei nahete, daß Gott über Jerusalem, und das júdische volk den endlichen zorn gehen lassen wollte, wie die propheten und der Herr Christus selbst ihnen gedrquet und zuvor gesagt hatten; sind die nachfolgenden zeichen vorher gegangen: Es ist am himmel ein Comet gesehen worden, wie ein schwert gestaltet, welcher ein ganzes jahr gegen der stadt über gestanden, und von jedermann ist gesehen worden. Eben in den tagen der ungesäuerten brodte, am achten tage des monats april, um neun uhr in der nacht, ist bei dem altar im tempel ein solch hellglänzendes licht erschienen, daß jeder: mann meinte, es wäre tag. Ein ehrenes großes starkes thor am innern tempel, daran zwanzig mann heben mußten, wenn man es aufthun wollte, welches mit starken eisernen riegeln verwahret war, hat sich um die sechste nachtstunde selbst aufgethan. Den ein und zwanzigsten Junii hat man in der luft und an den wolken an vielen orten des himmels wagen schweben, und sich wie eine große rüstung von reutern und knechten an den wolken zusammen ziehen, und mit gepraffel in der nacht schlagen sehen. Vor dem pfingsttage, als die priester inwendig im tempel bereiten wollten, was zum feste gehöret, haben sie ein groß getümmel und gepolter, und hernach eine stimme gehöret, welche gerufen hat: Lasset uns von hinnen wegziehen! wiewohl etliche sagen, das sey geschehen zu der zeit, da der vorhang im tempel unter Christi leiden zerrissen ist. Auch ist ein mensch ge= wesen, Jesus, genannt Unani, eines gemeinen mannes sohn, welcher, als er zu Jerusalem kommen, auf das fest der lauberhütten, aus einem besondern geiste geschrieen hat: ein geschrei vom morgen! Dein geschrei vom abend! O ein geschrei von den vier winden! Dein geschrei über ganz Jerusalem und den tempel! eine elende klage über braut und brautigam! ein geschrei über alles volk! Und solch klägliches geschrei trieb er tag und nacht nach einander, und lief wüthend in der stadt umher. Und wiewohl ihn etliche mit geiffeln und ruthen straften, die diese worte als eine böse deutung über die stadt nicht gerne höreten, so hörete er doch nicht auf. Und als man diesen menschen dem landpfleger gebracht, welchen die Rómer damals zu Jerusalem hatten, der ihn auch mit geisseln hart bis auf das blut, ståupen und peitschen ließ: hat er doch mit keinem worte gnade gebeten, hat auch nicht eine thráne fallen lassen, sondern hat ohne unterlaß überlaut geschrien: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem; Albinus, der richter, hat ihn als einen thoren verachtet. Dieser mensch aber ist sieben jahr nach einander nicht viel mit leuten umgegangen, sondern allein gegangen, wie ein mensch, der etwas tief bei sich besinnet oder dichtet, und hat immerdar diese worte von sich hören lassen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerufulem! und von solchem rufen ist er nicht müde worden. Als aber nun die stadt von den Römern belagert worden, ist er auf den mauern umher gegangen, und hat immer geschrien: Wehe über den tempel!.


