Druckschrift 
Weißenfelser neues Gesangbuch : zum Gebrauch bei öffentlichen und häuslichen Gottesverehrungen ; nebst einem Anhange einiger Gebete
Entstehung
Einzelbild herunterladen

aldomosd Vorbereitung.

E

19

deine Allgegenwart, daß ich mich selbst, als vor deinem Richterstuhle, prüfe und über die Fragen, die ich an mich thun will, so nachdenke, und sie mir selbst, ohne alle Ver­stellung, die vor dir, Herzenskündiger, ohnehin Thorheit wäre, so beantworten möge, daß ich zur Erkenntniß meiner Fehler und Mängel gebracht werde, sie bereue und über die Mittel, mich davon zu befreien, ernstlich nachdenke. So will ich denn vor deinem Angesicht, du Allwissender, Hei­liger und Gerechter, mich selbst richten, damit ich von dir, der du den leichtsinnigen und beharrlichen Sünder strafft, nicht verworfen werde.

Erkenne ich die großen Wohlthaten, die mir mein Gott von meiner Kindheit an bis auf diese Stunde erwie­sen hat? danke ich ihm oft dafür mit gerührtem Herzen? bemühe ich mich, meinen Verstand, meine Gaben und alle meine Kräfte des Leibes und der Seele, nach der Absicht meines gütigen Vaters im Himmel, zur Verherrlichung seines heiligen Namens, zum Besten meines Nächsten und zur Beförderung meiner eigenen zeitlichen und ewigen Wohl­fahrt anzuwenden? denke ich oft daran, wie theuer ich erkauft bin, und daß es meine Pflicht ist, dem zu Ehren zu leben, der für mich gestorben und auferstanden ist? hätte ich nicht hie und da mehr Böses verhindern, mehr Gutes thun können, als ich wirklich gethan habe?

Zu welchen Sünden bin ich meiner Natur nach am meisten geneigt? welchen Versuchungen bin ich durch die besondere Art meiner Erziehung, oder durch mein Alter und Stand am meisten ausgesetzt? wie habe ich diesen Versuchungen widerstanden, und wie weit habe ich es in der Beherrschung der Sinnlichkeit und meiner Leidenschaften gebracht?

Wie ist meine Ehrfurcht, meine Liebe, mein Vertrauen zu Gott beschaffen? wie fleißig, andächtig und herzlich ich gebetet? wie habe ich die öffentlichen Gottesver­ehrungen abgewartet, und welchen Nußen habe ich von meinem Kirchengehen verspüret?

Ließ ich mir die Noth der Armen und Leidenden zu Herzen gehen? trug ich das Meinige redlich dazu bei, ihre Noth zu lindern, Dürftige zu erfreuen und Betrübte zu trösten? hätte ich nicht bisweilen reichlicher mittheilen, mehr mit gutem Rathe dienen können, als ich wirklich