Sustojuss der Stadt Jerusalem.
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Die Verwüstung des Tempels Jerusalem geoffenbaret. Dieser ist geschehen auf den zehnten schreckliche Fall hat sie bewegt, Tag des Monats August, gleich daß sie von dem Tage an gedacht auf den Tag, da der erste Tem- haben, sich zu ergeben, und find pel vom Könige zu Babylonien mit Tito zur Unterredung und verbrannt ist, und ist der Tag Handlung gekommen. Aber, diesonderlich der Unglückstag dem weil Friede zu machen nun zu Tempel gewesen. Und von dem lange geharret war, und fie um ersten Tempel an, und seiner Er- Friede und Freiheit baten, da sie bauung, welchen Salomo erbaut, schon ausgehungert, und auf das bis auf das andere Jahr Vespa- Höchste bedrängt waren, ward sians, da der Tempel zu Grunde nichts daraus, und ist wenig Tage verwüstet ist, sind tausend hun- die Stadt noch kümmerlich aufdert und ein Jahr. Von der gehalten. Mittlerzeit ist unzähZeit an aber, da man den andern lig viel Volk aus großer Angst Tempel wieder angefangen hat und höchster Noth unerträglichen zu bauen, welches ist geschehen Hungers aus der Stadt ins Laim andern Jahr des ersten Cyri, ger den Feinden in die Hände find fünf hundert und neun und gelaufen. Da hat man sie sehr sechszig Jahr. Da nun die Ju- wohlfeil verkauft. Indem haden so geängstet wurden, wiewohl ben ungefähr die Kriegsknechte teine Hoffnung der Rettung war, gesehen, daß ein Jude aus seiftarben viele Tausend Hungers. nem eigenen Mist hat Gulden, Doch blieben die Uebrigen bei welche er eingeschluckt, gelesen. ihrem Vornehmen. Josephus Da ist bald ein Gerücht durch das schreibt, daß auf die Tage, als ganze Lager ergangen unter dem der Tempel verbrannt und ver- Kriegsvolk, die Juden, die herwüstet, ein schrecklich gräulicher aus ins Lager geflohen, hätten Fall sich begeben, welchen man Gold eingeschluckt.( Denn es bei den Nachkommen kaum waren Etliche, welche durch fleiglauben wird. Es war eine ehr- biges Besuchen sonst nichts denn liche Frau, reich und großen Ge- Gold konnten wegbringen, oder schlechts, jenseit des Jordans, vor den Kriegern behalten.) Das aus Furcht mit den andern gen Gerücht gab nun Ursach, daß von Jerusalem gefloben. Als nun den Kriegsknechten, welche dachdie Stadt so hart bedrängt und ten, sie würden bei allen Juden geängstet war mit Hunger, hat Gold finden, über zwei tausend sie ihr junges Kindlein in der Juden in einer Nacht aufgeschnitWiege( mit was für Jammer und ten wurden. Und ihrer wären Schmerzen, ist wohl zu denken) Viele mehr umgekommen, wenn geschlachtet, und das halbe Theil Titus nicht hätte lassen außrugebraten und gegessen, die andere fen und gebieten, daß man Hälfte, als die Kriegsknechte die Gefangenen nicht tödten umber gelaufen, und Speise ge- sollte. Endlich ist die Stadt fucht, hat sie ihnen vorgeseßt. Jerusalem erobert, und da ist Die Kriegsknechte aber haben weder Jung noch- Alt verschont. sich vor dem gräulichen Anblick Doch ich ein Gebot ausgerufen, entfeßt, und doch sich des elen- daß man aller elenden Leute, die den Weibes erbarmt, und die zu feiner Wehr oder Widerstande Sache den großen Herren zu vermögend wären, verschonen sollte.


