Druckschrift 
Heiliges Lippen- und Herzens-Opfer einer gläubigen Seele oder vollständiges Gesang-Buch : enthält in sich die neuesten und alten Lieder des seligen D. Luther u.a. erleuchteten Lehrer unserer Zeit ; zur Beförderung der Gottseligkeit bei öffentlichem Gottesdienst in Pommern und andern Orten zu gebrauchen ; eingerichtet, auch mit bekannten Melodien versehen ; Nebst einem geistreichen Gebet-Buch ; mit vermehrtem Sonn- und Festtags-Register versehen / von ... Laur. David Bollhagen
Entstehung
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Morgengesänge.

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unfre Seelen so heftig müssen quälen: ach! daß es von der Sünde zugleich mit Ernst auf­ſtünde!

4. Wir aber sind zu schwach zu dieser schweren Sach', weil uns sammt unsern Gliedern der Feind zu hart zuwidern, weil auch die Welt daneben verärgert unser Leben.

5. Wir schlafen stündlich ein, wenn wir gleich wachend sein. Die finstre Nacht der Sünden scheint unser Herz zu binden, so daß wir ohn' Vergnügen im Sün­denschlafe liegen.

6. HErr JEsu, wahres Licht: mach' diese Nacht zunicht, erwed' uns Herz und Sinnen, und hilf. daß wir beginnen von Sünden aufzustehen, und ihrem Schlaf entgehen.

7. Erleucht' uns doch, daß wir mit unserm Thun vor dir am Tag im Lichte wandeln, im Glauben richtig handeln, daß wir, o wahre Sonne, stets sehn dein' Himmelswonne.

8. Wir preisen deine Macht, HErr Christ, daß du die Nacht des Todes und der Höllen von uns ab wollen stellen, daß du, da wir erstorben, uns hast das Licht er worben. St. Saß.

9. Mel. Freu dich sehr, o meine. Jas as walt GOtt! die Mor­genröthe treibet weg die schwarze Nacht, und der Tag rückt an die Stätte, der da alles munter macht; drum so muntre ich mich auf, und mein Herz ge denket drauf, wie ich dir, mein GOtt, Lob bringe, und den Morgensegen singe.

2. Loben doch flugs mit dem Morgen dich die kleinen Vögelein, eh' sie für das Futter sorgen, muß es erst gesungen sein; sollt' ein dummes Thierlein nun mir hierin zuvor es thun? Nein,

das Singen, Loben, Beten hab' ich mehr, denn sie, vonnöthen.

3. Denn, wenn ich könnt' über­sehen, was all' für Gefährlichkeit ich gehabt hab auszustehen, seit daß ich die Welt beschreit', ja, was noch für Unglück alle Stund' und Augenblick', und so lang' ich werde leben, über meinem Haupte schweben:

4. So würd ich bekennen müſſen: HErr, wie viel ist meiner Sünd', denen du mich hast entrissen, theils auch noch vorhanden sind! Ich würd' mich entfeßen schier, wie du oft erzeiget mir Hülfe, Gnade und Wohlthaten, wenn ich in Gefahr gerathen.

5. Drum so sei all' mein Vergnü­gen, dich zu loben, dran geſteckt, mein Gebet laß vor dir liegen, wie ein Opfer angesteckt; und verleih, daß dieser Tag mir auch glücklich scheinen mag. Ach, daß ich ihn doch mit Liebe und in deiner Furcht vertriebe.

6. Gieb, daß ich mag recht erwä­gen, was erfordert meine Pflicht; was derselben läuft entgegen, laß mich ja beginnen nicht. Mein' Gedanken und Verstand richte, HErr, nach deiner Hand, daß ich recht mein Amt verwalte, rein Gewissen stets behalte.

7. Würd' ich etwa heute sehen allerhand Gelegenheit, Sünd' und Laster zu begehen: so gieb, daß ich solche meid'. Reizet mich mein Fleisch und Blut, zeigt die Welt mir Ehr' und Gut, laß mich ja zu nichts verführen, das sich nicht recht will gebühren.

8. Wenn ich aber was vornehme, draus zuvörderst deine Ehr' und des Nächsten Nußen käme, oder sonsten rühmlich wär': so befördre du das Werk, gieb dazu Rath, That und Stärk'; all' mein'Arbeit muß gedeihen, wenn du, HErr, wirst Gnad' verleihen. 101

9. Von