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Die holde Welt, voll Eintracht und voll Liebe; Ich finde sie nicht in der Wirklichkeit. Die Herzen sind sich näher, als es scheinet, Der Wille Nur ist wundersam gehemmt. Wer reißt die magische Gewalt darnieder? Ihr Priester, nur die Tempel sind sich fremd, Wie ihr einander!
Ist es Aberglaube,
Ifts Selbstsucht, Geiß, ists blide Furchtsamkeit, Was euch zurück vom grossen Frieden treibet? Ffits Glaube, Wahrheitsliebe, Frömmigkeit? Wie? soll das Lafter eure Tugend krönen? Die Finsterniß besteht nicht vor dem Licht. Gebt euch gefangen, wo der Geist entscheidet Und schweiget still, wenn Jesus Christus spricht. Auf eure Bücher send ihr nicht getaufet, Die Zeit der Katechismen ist vorbey.
Der Meister spricht!- in Einfalt und in Würde. Was wollt ihr noch mit eurem Allerley! Der Kirchenvater muß zurücke stehen, Wenn der Apostel auf den Lehrstuhl tritt.
Und welch Konzil vermag den Geist zu dämpfen, Da, wo die Wahrheit ihren Kranz erstritt? Mein Joch ist sanft, spricht unser Herr und Meister, Und daran ärgert sich der After: Geist.
Der Mensch ist mit dem Leichten nicht zufrieden, Er häuft die Laft, bis er beladen ist.
Die Wahrheit lebt; o lagt euch nicht bethören, Der Kranz ist welk, den euch der Frrwahn flicht. Wollt ihr den Ruf des Zeitgeists überhören? Ihr werdet sterben, doch die Wahrheit nicht.


