Druckschrift 
Morgen- und Abendopfer in Gesängen / von Joh. Heinrich Wilh. Witschel
Entstehung
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II

Bebt es nicht vor dir, dem ewig Nahen, Nicht vor dir, dem Richter aller Welt? Hab ich fromm und tren den Bund gehalten, Den ich weislich mit mir selbst gemacht? Hab ich ohne Fehl gerecht gehandelt, Ohne Tadel meine Pflicht vollbracht? Hat nicht Thorheit, Leichtsinn und Begierde, Hochmuth, Mißgunft, Eigennuß und Wahn Mich von dir, dem guten Geist, entfernet Auf der ungewissen Lebensbahn?

Habe ich für meinen Geist gewuchert Mit dem Pfund, daß deine Huld mir leibt? Ist mein Herz an Tugend reicher worden Und dadurch an innrer Seligkeit?

Ja, ich fühl es, Gett, zu deinem Frieden Leitet nur der Tugend steile Bahn.

Doch wo schlägt das reine Herz auf Erden, Das sich keiner Sünde zeihen kann? Du allein bist immer gut und heilig, Du alleine wohnest in dem Licht, Du bist weise, bist vollkommen, Vater, Aber wir im Staube sind es nicht. Doch dir immer ähnlicher zu werden, Dieser Wunsch ist edel, fromm und groß. Und vom Staube ewig aufwärts streben,