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Borrede zur zweyten Auflage.
Während die erste Auflage dieses Buchs vom Jahr 1813 einen glücklichen Abgang fand, benußte ich die Eindrücke der angenehmen Gegend, in welcher ich lebe, und arbeitete im Sommer, Herbst und Winter noch eine Reihe von poetischen Morgen und Abend: Andachten aus, welche drey Wochen ausfüllen, deren jede eine Jahrszeit umschließt. Ich fand eine rührende und angenehme Beschäftigung darin, die erhas bene Natur zu betrachten, und in ihrem feverlichen Tempel dem Schöpfemein zoblied zu singen. Dabey wurde der Ges danke sehr lebhaft in meiner Seele, daß wohl unser ganzer Religionskultus der Natur mehr angepaßt werden sollte; denn die Natur und die Religion sind ja zwey Bücher, von wel: chem immer eins das andre erklärt. Und warum macht ges wöhnlich das Erndtefest einen so rührenden Eindruck? Wahrs scheinlich deßwegen, weil hier Natur und Religion so traulich zusammentreten, um die Herzen der Menschen zu gewinnen.
Die erste Woche ist für den Frühling bestimmt. In der ersten Auflage war sie dieses freylich nicht; allein da ich diefe Lieder im Frühling verfertigte, so tragen sie fast úberall die Farbe dieser lieblichen Jahrszeit, und wenn schon der Anspies lungen auf die Natur hier weniger vorkommen, als bey den folgenden Jahrszeiten, so sind sie auch hier am leichtesten zu entbehren, da die verjüngte Natur selbst ihre Farben so reis Bend aufträgt, daß sie wohl von feinem Auge übersehen zu werden pflegen.


