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Schande und Elend! Fern sey es denn von mir, die Pflicht der Arbeitsamkeit für eine drückende Last zu halten, die ich wider meinen Willen tragen müßte, und der ich mich lieber entziehen möchte! Nein, sie ist, so wie alle Pflichten, die du, Allgütiger, von uns forderst, Mittel und Weg zu größrer Vollkommenheit; und ihre treue Erfüllung belohnt sich selbst. Nur dann, wenn ich meine Fähigkeiten und Kräfte treulich gebrauche; wenn ich meine Berufsgeschäfte fleißig und redlich betreibe; wenn ich ein gemeinnügiges Leben führe: nur dann werde ich meines Daseyns, meiner Kräfte, meiner Zeit und meiner Güte auf eine vernünftige Weise froh; nur dann kann ich mir selbst und Undern, und dir, meinem Schöpfer und Herrn, Rechenschaft von ihrer Anwen dung geben; nur dann mit Zufriedenheit auf jeden vers floffenen Tag zurück sehen, und ihn mit dem Bewußts feyn beschließen, daß ich an demselben guten Samen auf die fünftige Ernte ausgestreuet habe; nur dann kann ich am letzten meiner Lebenstage hienieden ohne Reue und Vorwürfe auf sie alle zurück blicken, darf keis nen für gänzlich verloren halten, und kann mich noch sterbend der guten Bemühungen und Thaten freuen, womit viele derselben bezeichnet sind.
Ja, Gott, ich verehre deine weisen, gütigen Anords nungen in der ganzen Welt. Ich erkenne es, ich fühle es, wie stark sie mich zur Arbeitsamkeit, und zur Treue in mei nem Berufe verpflichten. Möchte ich doch diese Verpflich tungen nie vergessen, und sie immer vollkommner erfüllen! Ja, die Arbeitsamkeit soll mir schon an sich, auch ohne Hinsicht auf die äußern Vortheile, welche sie mir verschafft, theuer seyn! Auf eine würdige und pflichts mäßige Weise thätig und geschäftig seyn, das ist wahres Leben, Leben des Geistes, wie gering auch die äußern und sichtbaren Folgen derselben seyn mögen. 6wd
Alle meine Fähigkeiten und Kräfte, o Gott, find Ges schenke deiner Güte, find Talente, die du mir zum Gebraus che anvertrauet baft. Einst soll ich dir von der Anwens dung derselben Rechenschaft geben! Wie kann ich sorgs fältig und eifrig genug seyn, sie wohl zu gebrauchen?
Du


