4
Bestimmung des Menschen,
Allem streben, was groß und edel heißt; verlieh dir hoher Gaben und reger Kräfte viel; denn glänzend und erhaben ist, Sterbli: cher, dein Ziel.
2. Was sind die Seelenkräfte des Thier's, das nicht vernünftig denkt? Auf thierische Geschäfte sind sie vom Schöpfer eingeschränkt. Es kann bei blinden Trieben, die es befolgen muß, nichts suchen und nichts lieben, als sinnlichen Genuß; steht auf der Schöpfung Leiter, o Mensch, tief unter dir, und steiget hier nicht weiter; du bleibst sein Herr scher hier.
3. Mit edlern Fähigkeiten, die ewig wachsen, prangest du, und an Vollkommenheiten nimmst du durch Fleiß und Uebung zu. Du mehrst der Weisheit Schähe, indem du täglich lernst, vollbringst des Herrn Gese: tze stets leichter, ist dir's Ernst. Du darfst nur stand haft ringen, so stärkt sich deine Kraft, dich selber zu bezwingen, und du wirst tu gendhaft.
4. Ja, legst du deine
Mängel bey steter Selbstveredlung ab, so prangst du dort als Engel, umfaßt gleich deinen Staub ein Grab. Dort sieht dein Geist stets heller, was er hier dunkel sah, und wächst im Guten schneller, als es einst hier geschah. Hier wandelst du auf Erden, als Kind, an Gottes Hand, um dort ein Mann zu werden, an Kraft und an Verstand.
5. Groß ist dein Seelenadel; dein Ziel ist die Vollkommenheit. Ein Leben ohne Tadel führt dich, o Mensch, zur Seligkeit. Heil ewiglich dem Frommen! Er folget immerdar dem Jesu, der vollkommen, wie Gott, sein Vater, war. Drum wird er einst, erhoben hoch über Tod und Grab, den Gott vollkommen loben, der Menschenwerth ihm gab.
6. Lobsinge, Mensch, lobsinge dem Herrn; denn ewig ist dein Loos! Sen thätig, strebe, ringe, so wirst du edel, gut und groß. O, trag' der Leiden Bürde getrost, als Christ und Mann, weil sie des Geistes Würde erhöben soll und kann. Stets


