und II. L. Frauen Wallfahrt daselbst. 11
durch, daß er allen Jenen, die, während das dreimalige Glockenzeichen beim Ave Maria in der Kapelle zu Kientzheim gegeben wird, dreimal den englischen Gruß beten, einen besondern Ablaß ertheilte. Auch brachte der Abt Johann von Lütel, welcher in Angelegenheiten des Klosters Salmansweil nach Rom gereis't, Ablaßbriefe von dem Pabste Paul mit.
Im Jahre 1473 pilgerte der Kaiser Friedrich III. mit einem glänzenden Gefolge in die Kapelle nach Kientheim, beschenkte sie mit reichen Gaben, und hinterließ daselbst unter andern feinen mit Gold und Silber gestickten ungarischen Königshut, der zu ewigem Andenken der frommen Pilgerfahrt in der Kapelle aufgehängt wurde. Derselbe befindet sich aber nicht mehr dort und ist wahrscheinlich während der französischen Revolution abhanden gekommen.
Die Wunderheilungen, welche auf die Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau in der Kapelle zu Kientzheim geschehen sind, haben die jeweiligen Priester und Kapläne, nach gewissenhafter Angabe der Pilger treu aufbewahrt und fleißig niedergeschrieben. Dieß that vom Jahre 1466 bis 1470 der Leutpriester Hans Kürßner, und der Kaplan Petrus Lieb; von 1470 bis 1475 der Bruder Hans von Uff holz, Conventual von Lützel, Leutpriester und Verweser des St. Regula- Dinghofes; von 1475 bis 1505 Bruder Theobald, ebenfalls Ordensgeistlicher von Lützel, und Hans Lämblin, unserer lieben Frauen Kaplan. Vom Jahr 1505 an befinden sich im Buche keine Wunder mehr aufgezeichnet; vermuthlich wurden sie in einem andern Buche aufgeschrieben, das im Bauernkrieg, wo Kientheim schwere Drangsale erlitten, verloren gegangen. Die vielen geopferten Bilder, eisernen Bande, Ket= ten, Fußeisen, Armstricke, Krücken u. dgl. bezeugen


