Druckschrift 
Dresdner Gesangbuch auf höchsten Befehl herausgegeben : mit Königl. Sächs. allergnädigstem Privilegio
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Bußübungen.

21

durch männliche Gesinnungen und Thaten, durch geübte, standhafre, exemplarifche Tugend auszeichnen. Ich soll meine jugendliche Unschuld nie entweihen, sie auf das Sorgfäl tigste bewahren, mich einer unbes fleckten Reinigkeit des Leibes und des Geistes, einer frühzeitigen, lebenswierigen Frömmigkeit und Gottesfurcht befleißigen. Ich soll im Glücke demüthig, im Unglücke. geduldig, mäßig in der Freude, getrost in Leiden sein. Ich soll Alles thun, was ich thue, in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi, mich in allen Dingen als seinen Diener beweisen. Und wie habe ich nun dieß Alles zeither gethan? wie diese Pflichten erfüllt? welche Folgen wird das für mich haben in jener Welt?

und heiligen lassen? Bin ich zu der herrlichen Freiheit der Kinder

ettes gelangt? Habe ich Gnade bei Gott und Vergebung meiner Sünden durch ihn gefunden, oder muß ich sie erst suchen? Genieße ich die Gerechtigkeit und Stärke, den Frieden, die Freude, die Ruhe der Seele, die bei ihm zu finden ist? Bin ich wirklich durch ihn selig wors den, und kann ich mit Zuverlässig, keit hoffen, es künftig zu werden?

Ich bin ein Mitglied der Gesell­schaft, ein Vorgesenter, oder Unters gebener, ein Herr, oder Diener, ein Hausvater und eine Hausmutter, oder ein Kind und ein Hausgenosse, ich bin reich oder arm, hoch oder nie­drig, glücklich oder unglücklich. Auch hier habe ich große und wichtige Pflichten, deren Beobachtung oder Unterlassung für mich Folgen haben wird auf ewig. Ich soll den Stand, darinne ich stehe, würdig behaupten, den Plaß ausfüllen, den ich einneh­me, meinen Beruf mit der gewis senhaftesten Treue und Redlichkeit abwarten. Ich soll die Stelle Jesu unter meinen Brüdern vertreten, einen Jeden lieben, einem Jeden wohlwollen, einem Jeden helfen und dienen, eines Jeden Glück befördern, so viel ich kann, von einem Tage, von einer Stunde zur andern Gu­tes thun und nicht müde werden. Ich soll Undern und besonders de­nen, mit welchen ich auf besondere Weise verbunden bin, durch mein Beispiel vorleuchten und vorgehen. Ich soll im männlichen Alter mich

Ich besige so viele Mittel des Heils und der Besserung, durch welche ich weiser, gläubiger, tugend­hafter und seliger werden kann, als diejenigen, die diese Mittel nicht befißen. Wie habe ich nun diese Mittel angewendet und bin ich durch sie das worden, was ich wer­den konnte? Welchen Gebrauch habe ich von der heiligen Schrift gemacht? wie habe ich die Religion, die Leh­ren, Vorschriften und Berheißun­gen Jesu, wie sein heiliges Vor­bild benugt? wie oft, und wie habe ich sein Abendmal gefeiert? wie habe ich den öffentlichen und besondern Gottesdienst abgewartet, und wel­chen Nußen habe ich davon gehabt für meine Erkenntniß, für meinen Glauben,