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Allgemeines Evangelisches Gesangbuch für das Großherzogthum Hessen : [nebst] Gebäte zur Hausandacht [und] Episteln und Evangelien auf alle Sonntage und hohe Feste [und] Der kleine Katechismus D. M. Luthers
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Geschichte der Zerstörung Jerusalems.

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ist unglaublich groß. Nur zu einem Thore wurden in Zeit von 6 Wochen hundert und fünfzehntausend, acht hundert und achtzig Todte hinausgetragen; nicht gerechnet die, Die welche von ihren Verwandten begraben wurden. ganze Zahl der Verstorbenen, welche zu den Thoren hin­ausgetragen wurden, schätzt man auf Sechsmal Hundert Tausend.

Da nun in der Stadt keine Speise und Sicherheit mehr war, so flohen viele daraus in das Lager der Römer. Gab man ihnen hier Speise, fo fielen die Ausgehunger­ten zu gierig darüber her und starben. Dann aber wur den eine Menge solcher Ueberläufer von den römischen Soldaten lebendig aufgeschnitten. Denn es war unter dies sen bekannt geworden, daß manche Juden Goldstücke ver­schluckt gehabt, weil sie es sonst nicht aus der Stadt zu bringen sich getrauet hatten. Die römischen Soldaten glaub­ten nun bei allen Juden Gold zu finden, und schnitten deßhalb in einer Nacht über 2000 solcher Ueberläufer auf. Titus verbot aber, die Uteberläufer aus der Stadt zu tódten; und so wurden sie sehr wohlfeil als Sklaven verkauft.

Indessen eroberten die Rómer einen Theil der Stadt nach dem andern. Zitus hatte aber den Befehl gegeben, die Soldaten sollten des Tempels schonen und ihn nicht in Brand stecken. Da aber die römischen Soldaten viele Mühe hatten, diesen höchsten festen Platz zu erobern; so geriethen sie in große Wuth. Sie mordeten alles, was ihnen vorkam, Kinder und Greise, Laien und Priester; alles lag voller Leichname. Der ganze Hügel schwamni vom Blute der Getödteten. Das furchtbarste Jammer­geschrei erscholl in dem Tempel. Die Flammen hatten schon viele Theile des Tempels ergriffen; doch suchte Titus das Allerheiligste zu retten; aber es war vergebens. Ein römischer Soldat steckte den innern Theil des Tempels auch in Brand, und das Feuer nahm so schnell überhand, daß es nicht zu löschen war. Unterdessen metzelten die römi­schen Kriegsleute ohne Barmherzigkeit bis in die Nacht darnieder, was ihnen vor die Hände kam, so, daß das Feuer an manchen Orten durch das daher strömende Blut gelöscht ward. So ward der prächtige Tempel völlig vers brannt und zerstört, der seit der Rückkehr der Juden aus der