ad Gebet eines Sterbenden.
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rer Vorschriften, ließest du mich so oft erfahren, daß fie find Geist und Leben und erfülltest meine Seele mit Kraft und Stärke, Trost, Friede und Freude, ja mit lebendiger Hoffnung einer seligen Ewigkeit. Verirrte ich mich auch bisweilen von dem beglückenden Wege deiner heiligen Gebote: so trugst du mich nicht nur mit schonender Geduld, sondern ließest mir auch bey reuevoller Besserung meines Herzens und Lebens, im Glauben an Jesum Christum, Barmherzigkeit und Gnade, in der Vergebung aller meiner Sünden, finden. Im Genuß einer vergnügenden Gesundheit, flossen die meh resten Tage meines Lebens dahin, und wenn du sie bis weilen durch Tage der Krankheit unterbrachest: so mußten diese stets Mittel werden, meine Heiligung zu befördern, meine Kräfte zu erneuern, und meine Gesundheit für die Zukunft zu befestigen. Gefiel es bisweilen deiner Weisheit, die mir verliehenen Freuden des Lebens durch Leiden zu verbittern; so war doch der Kelch der Freuden immer größer, als der Becher der Leiden, und die Süßigkeit der Freuden überstieg weit die Bitterfeit der Leiden. Weinte ich auch bisweilen meinen Kummer des Herzens vor dir aus: so wußtest du zu rechter Zeit meine Thränen zu trocknen, ja sie wohl in Thränen freudigen Danks zu verwandeln. Fürwahr, o guter Gott! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an deinem Knechte( an deiner Magd) gethan hast. Desto zuversichtlicher erwarte ich nun aber auch von dieser deiner großen Barmherzigkeit und Treue die letzten Bedürfnisse bey meinem Scheiden von der Erde. Wenn mich die ganze Welt verläßt, so verlaß du mich nur nicht mit deinem Troste, Beistand und Hülfe. Mein Bater, es ist dir alles möglich; ist es also deiner Weisheit gefällig: so versüße mir die Bitterkeit des Todes; verkürze mir den letzten Kampf der Angst und Schmerzen, und laß mein Scheiden sanft und selig seyn. Sterbend wird sich meine Seele vom Leibe trennen, und alsdann, Vater, empfehle ich meinen Geist in deine Hände. 3war geht sie zu dir, als dem gerechten Richter alles Fleisches; aber der Glaube an Jesum, der mich der Vergebung der Sünden und deiner Vaterliebe versichert, der läßt


