Gebet eines Kranken.
67
selben zu Theil wurden, und für deren Geschenk ich dankbar mich deiner Güte und Liebe freue, und deine Vaters hand in demüthigem Gefühle meiner Unwürdigkeit küs se. Von eben dieser deiner Vaterhand sind mir nun auch die Tage der Leiden gesendet, in welchen mich die Schmerzen einer schweren langwierigen Krankheit drükken und quälen. Zuversichtlich erwarte ich daher von deiner Vaterliebe, du werdest mich nicht versucht werden lassen über mein Bermögen, und wenn die Last der Angst und Schmerzen meinen schwachen Kräften zu schwer werden will: so wirst du deine Kraft in meiner Schwachheit machtig seyn, und mich deine Berheißung genießen lassen. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. 3war pflegen die Tage der Leiden dem menschlichen Herzen nicht Freude, sondern Traurigkeit zu bringen; da aber dieses Leben nur ein Stand der Erziehung der Menschen für ein besseres, ja, ewig seliges Leben ist, und deine Weisheit es für gut gefunden, zur Förderung solcher Erziehung, Freuden mit Leiden zu verbinden, damit wir deine Heiligung erlangen, ohne welche nicmand dich schauen kann, so demüthige ich mich willig unter deine mich züchtigende Baterhand, in der festen Zuversicht: du werdest auch dieses Leiden zur Förderung meines geistlichen und ewigen Heils dienen lassen. Kennst du indeß die Schwäche des menschlichen Herzens, wie leicht demselben bey anhaltenden Leiden um Trost bange wird: so sey du meinem Herzen mit deinem kräftigen Troste stets nahe, der du bist der Gott des Trostes; dein Geist mache es mir unvergeßlich, daß alle unverschuldete Leiden deiner Christen, auch die schwersten und größten, doch nur zeitlich und leicht sind, und uns schaffen eine ewige und über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, und daß solche Leiden der Zeit nicht werth sind der Herrlichkeit, die dort an uns soll offenbaret werden. Er richte meine Gedanken stets auf Jesum, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens, um zu bedenken, daß, wie er durch Leiden und Tod zur Herrlichkeit eingegangen, wir auch dort mit ihm herr
e 2


