Vorrede zur eilften Auflage,
( letzter hand)
aus einem Schreiben an die Verlagshandlung.
Endlich bin ich mit der Revision meiner Morgen- und Abendopfer zu Ende gekommen. Sie ist mir nicht schwer gefallen und hat mir im Gegentheil viele heitere Stunden gemacht. Gottlob, daß ich nur wenig, wie Sie in der Beilage finden, zu bemerken fand, was bei einem Buche, das die eilfte Auflage erlebte, leicht zu begreifen ist! Freilich wird es Biele geben, die Nein dazu sagen, was eben so leicht zu begreifen ist. Die Menschen sind verschieden und werden es bleiben. Ich werde nicht böse werden, wenn sie mich tadeln. Meine Laufbahn geht zu Ende, und ich freue mich auf die Heimath jenseits des Grabes, wo keine Finsterniß und keine Nacht mehr seyn wird und wo ich mit Bergnügen, wie vor Alters, in die neue Schule gehen werde.
Statt der Vorrede will ich ein Lied beilegen, welches ich schon früher gedichtet habe. Die Ueberschrift ist: ,, Der neue Tempel." Gott gebe, daß wir mit der neuen Auflage so wohl zufrieden seyn können, wie mit den vorigen. Kattenhochstadt, am 20. Januar 1847.
Der neue Tempel.
Nicht auf Chorazim und Moria waltet
Der große Himmelsvater nur allein. Er will im Geist und in der Wahrheit, Brüder, In jedem Tempel angebetet seyn!
Auf, lasset uns den Tempel neu erbauen, Der längst zerfallen in sich selber liegt, Auf, deutsche Brüder, reichet euch die Hände Und finget froh: die Liebe hat gesiegt!
Die Enkel werden unsre Asche segnen, Das Vaterland steht in Verklärung da. Es ist auf's Neu' der Welt vorangeschritten, Im neuen Dom schallt ein Hallelujah.
Wie lange ist's, daß sich die Kirche spaltet? Vereinigt nur kann sie die wahre seyn. Die Enkel werden jauchzen und lobsingen; Wir stimmen in's Hallelujah mit ein!
Dort, wo die Sonne ohne Wolken leuchtet, Wo Lieb' und Wahrheit ewig sich umschlingt, Dort blicken wir voll Seligkeit hernieder, Wann ihr die große Friedenshymne singt!


