Druckschrift 
Neu eingerichtetes Freibergisches Gesangbuch nebst einem Anhange neuer Lieder
Entstehung
Einzelbild herunterladen

786

Beicht- und Communiongebete.

row.el.

dich aller, die Zufluche zu bir nehmen; der noch in seiner Todesstunde zu dir triste alle Nothleidenden und Bekúm- um Erbarmen fleht, so erhöre sein Fleyn; merten; verlaß keinen von Menschen so erbarme dich seiner um Jesu willen Berlaßnen; und wenn irgend ein Súns Umen. odamie

dan Beicht- und Communiongebete.

31

di Vor der Beichte.

Gott! der du Alles weißt, Alles sie hest und kennest, dem kein gottlos We­sen gefällt, und vor dem Niemand blei bet, der böse ist, der du aber auch allen reuigen und gläubigen Sündern um Jefu willen Gnade und Vergebung verheißen hast, ich erkenne es vor dir, daß ich gesündigt und übel gethan habe; ich weiß es, daß ich mich durch meine Günden der gerechten Strafen schuldig gemacht habe, die du den Uebertretern deiner Gesege gedrohet hast; ich erfahre es, daß die Sünde der Leute Verderben sei. Bin ich auch meinem Vorsage ge= treu geblieben, habe ich auch den Ent­schluß wirklich ausgeführet, den ich so oft und auch nur bei meiner legten Communion faßte? Wie mangelhaft, wie unvollkommen ist doch dies gesche hen! Und bei dem Allen muß ich bekcn­nen, daß ich lange noch nicht so weit gekommen, lange noch nicht der weise, gläubige gebesserte, Jesu ähnliche Mensch bin, der ich als Christ werden und sein konnte; bekennen muß ich es mit Beschamung und Reue, daß ich noch manchen Fehler, manche Sünde begangen habe, die ich nicht begehen follte, noch manche Schwachheit an mir trage, die ich, vielleicht schon längst, überwunden haben sollte; daß ich, in Vergleichung der Länge meiner Lebens­zeit und der Kraft, die Jesus darbietet, bei Weitem noch nicht so geübt im Gus ten, so stark im Glauben, so tüchtig zu allen guten Werken, so ruhig und glück felig bin, als ein Christ sein kann; daß ich insbesondere dich, meinen Vater, nicht genugsam liebe, Jesum, meinen Peiland und Seligmacher, nicht hoch genug schäge, die Menschen, meine Brüder, nicht mit herzlicher Bruder

liebe umfasse; daß ich bei Weitem noch

nicht ganz christlich denke und handele, und sich auch in meine besten Hand­lungen unedle Absichten mischen; daß noch ein großer Abstand ist zwischen mir und meinem Herrn und Vorgáns ger, zwischen seinen Gesinnungen und meinen Gesinnungen, zwischen seinem Verhalten und meinem Verhalten. Vielleicht habe ich auch meinen Vors saß gar nicht erfüllt! Vielleicht bin ich seitdem nicht besser, sondern schlim­mer geworden, trage die Fehler, die bösen Gewohnheiten noch an mir, die ich sonst an mir hatte, habe sie noch tiefer einwurzeln lassen, habe sie mit neuen vermehrt, bin eben so undant­bar gegen dich, den huldreichsten, güz tigsten Bater, bin eben so ungehorsam gegen meinen Heiland und Herrn, so gleichgiltig gegen sein Verdienst, so unáhnlich seinem Ebenbilde, bin eben so unzufrieden mit dir und deinen Schickungen, eben so lieblos gegen meinen Nächsten, eben so kalt und unempfindlich gegen Menschenwohl, eben so untreu und nachlässig in meinem Berufe gewesen, als ich es vorher war, bin noch ein Knecht der Sünde, ein Sclave des Lasters! Und wenn ich das gewesen bin und noch bin: ist es nicht ganz meine eigene Schuld? Bar es mit meiner Zurückkehrung von der Sünde zu Gott ein rechter Ernst? War ich recht besorgt und bekümmert um das Heil meiner Seele? habe ich die Mittel der Besserung so oft und so wohl gebraucht, als ich sie hätte brauchen sollen? Habe ich über die Lehren und Vorschriften Jesu, über seine Liebe zu mir und zu andern Sündern ernsthaft nachgedacht, und mir sein Vorbild zum Muster der Nach­