Hillers Lebenslauf.
XI
Diesen Zügen aus dem Lebensbild des Dichters, die wir einem seiner Söhne verdanken, reihen wir, als ergänzendes Seitenstück an, was von glaubwürdigen Zeugen aus dem Munde seiner jüngsten Tochter überliefert wird:
„ Ihr lieber, seliger Vater, sagte sie, von dem sie einen ewigen Eindruck behalten werde, habe in seinem Leben nicht viel geredet, aber desto mehr gethan. Er sey meistens auf seinem Studierzimmer gewesen, und der Erforschung des göttlichen Worts obgelegen. Jedoch habe er, so oft er zu den Seinigen gekommen, stets eine milde, priesterliche Liebe und Freundlichkeit, manchmal auch ein kaum abgetrocknetes Auge mit gebracht, wodurch ihnen seine längere Abwesenheit gar erquicklich ersetzt worden; und es sey wohl zu bemerken gewesen, wie Vieles er insgeheim mit seinem Herrn und Heiland in dieser Welt zu thun gehabt habe. Seine Kinder seyen von ihm auf der einen Seite mit fester Grundsätzlichkeit und gehörigem rnst, auf der andern aber voll überfließender Liebe und Herzlichkeit erzogen worden.
Die Reihe dieser Zeugen mag endlich schließen ein Zeitgenosse des Dichters, der vormalige Herzogl. Württemb. Rath und Prälat zu Anhausen, M. M. F. Roos, der den sel. Hiller persönlich kannte, und dessen Liederkästlein in seinem Christlichen Hausbuch kommentirt hat. Er nennt ihn einen treuen, begabten Knecht Gottes, der nach der Anweisung Luthers, welche jetzt von vielen verachtet und hintangesetzt wird, durch Gebet, Betrachtung und Anfechtung ein erleuchteter Gottesgelehrter geworden ist."
Des Dichters Ende erzählt sein Sohn mit folgenden Worten:
„ Hiller starb den 24. April 1769 schnell an einem Schlagfluß; so daß ihm Gott auch hierin seinen Wunsch, ohne langes Krankenlager aufgelöst zu werden, gewährte. Der Schlag hatte die linke Seite gelähmt, und ihn zugleich der Sprache beraubt, so daß die letzten Umstände seines Hintritts den Hinterbliebenen mußten verborgen bleiben."


