Zwölf Regeln
Freudigkeit, Trost, Vergnügen, ein Verlangen zu sterben, eine Himmelsfreude, so nehme man diesen Vorschmack des Himmels mit Demuth an. Bleibet das Gemüth betrübt, und meinet man, man sei nicht würdig, wie es sein sollte, so versichere man sich dabei der göttlichen Gnade, daß GOtt dieses Maß der Andacht und Freudigkeit nicht gleich austheile. Genug ist es, daß man es redlich und aufrichtig mit GOtt und seines Lebens Besserung meinet.mden onnit
11. Ist der Gottesdienst vollbracht, und der Segen des HErrn gesprochen, so danke man GOtt nochmals herzlich für die empfangene Gnade. Man eile nach Haus, hüte sich unterwegs vor unnützem Geschwätz, und lobe zu Haus auf seinen Knien GOtt, der sich der Seelen so herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, und bringe die übrigen Stunden des Tages mit Singen, Loben und Danken hin, und sehe diesen Tag als seinen Hochzeit- und Versöhnungstag an. i
12. Weil mun viele Seelen gern wissen wollen, ob sie auch würdig zum heiligen Abendmahl gegangen seien, so können sie solches leicht bei sich selbst abnehmen. Gehet man des Montags, Dienstags und an den folgenden Tagen wieder zu seinen Spiel-, Welt- und Sünden- Gesellschaften, flucht, sauft, zankt wiederum, und treibt seine vorigen Sünden, so ist man unwürdig, zum Schein, und aus Gewohnheit hingegangen, Christus ist von der Seele wieder gewichen, und der Mensch ist nach wie vor unter GOttes Zorn, Fluch und Verdammniß, er hat GOtt mehr erzürnet als erfreuet, und sich mehr Schaden als Nutzen geschafft.
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