Vorrede
reinem Herzen gebrauchen, daß ihr Herz, Wille und Begierden zu GOtt gänzlich gerichtet seien, daß die Seele nichts als GOtt suche, begehre und meine, und allem absage, was Welt- und Sündenlust heiße.
IV
Ich will mit diesen Andachten niemand vorschreiben, wie er mit GOtt reden soll, wie denn die jetzt überkluge Welt alle Gebetbücher verwirft; und meint, man könne aus dem Herzen schönere Betrachtungen und Seufzer schöpfen, als aus Büchern; indem sie sagt, ein Kranker brauche kein Buch, um dem Arzt seine Noth zu klagen. Ob nun solches in seiner Weise wahr ist, so muß man doch den Seelenzustand der Kinder Gottes erwägen. Manche rechtschaffene Seele suchet und liebet GOtt von Herzen, sie ist aber noch nicht in dem Wort GOttes und in den Wegen des HErrn erfahren. Einer solchen wird eine Anweisung angenehm sein, wie solches der Kämmerer aus Mohrenland bekannte, daß er eine Anleitung nöthig habe. Apost. Gesch. 8, 31. Bisweilen sind auch erweckte Seelen so dürre, daß sie zu keinen guten Einfällen gelangen können. Sollten nun Gebetbücher nicht nüglich sein, um das Andachtsfeuer anzuzünden? Hat man nicht viele Kranke und Schwache, die selbst ihre Krankheit dem Arzt nicht klagen können, weßhalb die Umstehenden und Freunde die Zufälle erzählen, und also des Kranken Mund sein müssen, da denn auch solchen Seelen, Gebetbücher, in dergleichen Stunden, zu statten kommen können. Ist aber eine Seele stark genug, ist fie voll Geistes, so wird sie niemand zu dergleichen Hilfsmitteln der Andacht zwingen. Dennoch da wir, ob wir gleich gefund sind, die Arzneien nicht wegwerfen, sondern in den Apotheken stehen lassen, weil sie andere nöthig haben, so sollen wir dergleichen Urtheil auch von allen Andachtsbüchern fällen.


