110
Die Beschreibung von
werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für dieses herrliche Gebäude und für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich zwar deffen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen sein, und ermüdete nicht, sowohl in eigener Perfon, als durch Josephus, den Johannes mit feinem gottlosen Haufen durch wiederholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß fie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligthum Gottes nicht entweihen, und durch eine endliche Ulebergabe es dem nahen Untergange entreißen möchten, wobei er ihnen die ungestörte Fortsetzung ihres Gottesdienstes versprach. Allein diese Bösewichter verschmäheten dieses alles, besetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen, und machten denselben durch Raub und Blutvergießen, nach Chrifti Worten, nun völlig zur Mördergrube. Daher sah sich Titus endlich genöthigt, die äußerste Gewalt zu gebrauchen, und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen' an die Tbore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bedeckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer wieder zu löschen, um das noch unversehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten; aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Ratbschluß Gottes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein Römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe, oder vielmehr von einer höheren Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an den Tempel. gebaueten Zimmer. Sogleich breitete sich das Feuer in diese Nebengebäude aus. Titus eilte zwar alsobald den Brand zu löschen; aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die Römischen Regionen drangen wüthend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um sich greifenden Flammen und erfüllten alles mit Blut und Leichen. Titusbegab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah deffen Heiligthum und die darin befindlichen Geräthe und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Innere des Tempels zu retten; aber vergeblich. Der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babyloniern verbrannt worden war, durch die Flammen völlig verzehrt. Ein allgemeiner Raub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raume des Tempels. Die Römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desfelben ihre Kriegszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Priester, die auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gesucht hatten, fleheten vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete, daß die Zeit der Begnadigung geendet, und sie mit ihrem Tempel umkommen müßten.
Die Aufrührer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel geöffnet und verlangten eine Unterredung mit Titus. Dieser erbot sich zwar, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen unter der Vorschützung eines Eides weigerten, und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade, übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer und griff den noch übrigen obern Theil derselben an, in welchen sich nun die sämmtlichen Aufrührer unter Simon und Johannes gezogen hatten. Sobald die Römischen Maschinen


