Geneigter Leser.
Andächtig und erhörlich beten ist eine Kunst, welche nicht den menschlichen Kräften, sondern der Wirkung des Geistes GOttes zuzuschreiben ist, 1 Cor. 12, V. 3. Derselbe treibt die Kinder GOttes an, ihre Noth und Anliegen dem himmlischen Vater, im Vertrauen auf Seine Hülfe und Erhörung, durch Christum vorzutragen. Bei ihnen ist ein Gefühl eines Mangels und Elendes, zugleich aber auch eine Absicht auf GOttes Majestät und Güte. Beides unterscheidet sie von den Weltfindern und Heuchlern. Bei diesen spürt und hört man zwar auch etwas vom Gebet; sie reden GOtt an mit ihrem Munde, im Herzen aber wissen sie nichts davon. Auf die Majestät und Güte GOttes haben sie keine Absicht, weil sie sonst mit gebührender Ehrfurcht des Herzens vor den Würdigen treten, der Herzen und Nieren prüft, Pf. 7, V. 10., und nicht bloß äußerlicher andächtiger Gebehrden sich befleißigen würden. Von dem Glend, worin ihre Seele steckt, haben sie kein Gefühl, sonst würde auch dies vermögend sein, größern Eifer und An


