Erinnerung und Trost
Gebet.
Herr, Herr! was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder. Ach, mein Gott! ich sehe, wie du andern den Ehesegen mit reichem Maß zutheilest, aber mir hast du denselben bisher vorenthalten, und nicht gegeben; Herr, Herr! laß mich doch dieses Alles mit christlicher Gelassenheit als deinen gnädigen Willen geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kann, wenn du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebt, und seine Gnade noch nie versagt hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen, du weißest am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheeret hast. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß mich in dir desto mehr erfreuen, daß ich dich herzlich lieben, an dir all mein Ergößen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieiniger Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens, ja laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor Jedermann wandeln. Laß deinen heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mir sei, dem ich mich dann von Grund meiner Seele ergeben will. Bewahre mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld, Mißvergnügen gegen meinen Ehegatten, daß ich jedoch ihn herzlich liebe, ihn für mein Kind halte, und ihn lieber habe, als zehn Söhne und Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang warten, und du mich je dennoch
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