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für Unfruchtbare.
10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes thun, sie kleiden, in die Schule schicken, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: diese haben mich bekleidet, ge= speiset und getränket, Matth. 25, 36. Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Gabe Gottes halten. Meinen fie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei; darum will er gebeten sein. Wenn hie christliche Eheleute mir wollten entgegensezen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten, und doch Kinder zeugen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen kommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. Gottfelige Eheleute sollen es also hie machen, wie dort Isaak, von dem es heißt: Isaak aber bat den Herrn für sein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaak, daß Kinder eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der Herr ließ sich erbitten, und Rebekka, sein Weib, ward schwanger. 1. B. Mos. 25, V. 21. Dieses Alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen, sich gegen alles Murren, Ungeduld und Gemüthsunruhen bewahren.


