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Johann Friedrich Starck's tägliches Hand-Buch in guten und bösen Tagen, enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Gesänge 1. für Gesunde, 2. Für Betrübte, 3. Für Kranke, 4. Für Sterbende : nebst mehreren Fest-Andachten und viel schönen Buß-, Reicht -, Communion- und Wettergebeten, Morgen- und Abendandachten auf alle Tage in der Woche, wie auch Kriegs-, Theurungs-, Pest- und Friedens-Gebeten [...]
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Erinnerung und Trost

fie liebe und ihnen gewogen sei. Wie viele Bäumlein zieren den Garten, und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gerne im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. 2) Sollen sie sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des Herrn sind; wem er diese Gnade nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger gibt; Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so theilt er aus. Gott hat sich vorbe­halten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grabe, denn Niemand kann Todte auferwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regnen, denn kein Götze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleib, da kann Niemand öffnen, wenn der Herr zuschließt, und Niemand zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung zu beweisen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes; denn daß Gott nicht zor­nig über sie sei, sollen sie daher abnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohlthaten nicht fehlen läßt. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüths Zustand besser kenne, als fie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie doch Gott vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in Erziehung der Kinder, als auch in Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemann viele Störungen und Sor­gen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Got­