Vorrede zur zehnten Auflage.
III
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Hiemit lege ich dem Leser mein tägliches Handbuch zum zehnten Male dar. Zwar scheinen die gegenwärtigen Zeiten den Gebetbüchern gar nicht geneigt zu seyn, indem ein Theil der Leute bei seinem Aufstehen eher an seine Geschäfte als an das Gebet denkt, vor dem Schlafengehen aber die schlummernden Augenlider nicht mehr zum Gebetbuch gebrauchen kann. Wenn nun solche Seelen so geschickt wären, ohne Hilfe eines Buchs aus ihrem Herzen ein Gebet abzulegen, und ihr Verlangen Gott vorzutragen, so könnten sie dieses Mittel zur Erweckung ihrer Andacht entbehren. Weil sie aber auch dazu nicht tüchtig sind, so merkt man mit Erstaunen, daß solche arme Seelen nicht allein schläfrig im Christenthum, irdisch gesinnt und ungeschickt zu allem Guten werden, sondern, weil sie sich nicht durch's Gebet Gott heiligen und übergeben, so kann sie ein jeder Wind bewegen, ein jeder Sünder und jede Sünderin zu Eitelkeiten und fündlichen Gewohnheiten verführen. Wie nun folchen, in die Welt verliebten Leuten eine Aufmunterung zum Gebet nöthig wäre, so findet sich eine andere Art Menschen, welche es für eine Schande halten, ein Gebetbuch im Hause zu haben, und sich eines solchen Zuflusses heiliger Gedanken rühmen, daß sie sich damit völlig vergnügen können. Ich gebe dieses solchen Seelen zwar in gewissen Zeiten zu, möchte sie aber wohl fragen, ob ihnen nicht auch ein Seelenzuſtand bekannt sei, welcher die geistliche Dürre heißt, wo dem betrübten Gemüthe nicht ein guter Gedanke, kein Spruch oder Trost zufließen will.
Kinder Gottes gehen hierin, nach meiner Erfahrung, den Mittelweg; nämlich: wenn sie ein Morgen- oder Abendgebet lesen, so bekommen sie dadurch verschiedene schöne Betrachtungen und Gedanken, die ihnen vielleicht sonst nicht beigefallen wären. Hiemit aber ist ihre Andacht nicht geendigt, sondern sie tragen Gott insbesondere ihr und der Ihrigen besorgliches Leiden, ihre Bekümmerniß, ihre obschwebende Gefahr und ihre betrübten Umstände vor; setzen sie noch eine andere Betrachtung dazu, so wird, wenn dieses mit Andacht geschehen, die Seele den ganzen Tag hindurch erquickt und bei Gelegenheit an das Gelesene erinnert werden.
In dieser Absicht habe ich, auf Anrathen Gott liebender Freunde, in dem ersten Theile dieses Handbuchs eine Aenderung vorgenommen. Sie meinten, es wäre besser, auf jeden Tag ein Gebet, als nur immer Ein Morgen- und Ein Abendgebet zu haben; ihr Wunsch war, daß die besondern Betrachtungen mit jedem Tage verbunden werden möchten, weil sie soust gar
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