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Dr. Martin Luthers Geistliche Lieder : (nach den Original-Texten) / mit Bildern geschmückt von Gustav König
Entstehung
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6. Aus tiefer Not schrei ich zu Dir.( Das umgearbeitete Lied.)

Dieses von Luther umgearbeitete Lied findet sich schon im Joh. Walther'schen Gesang­büchlein vom Jahre 1524. Es ist seitdem das bekanntere und üblichere Lied geworden und der ältere Text ist in den Hintergrund getreten. Als man am 20. Februar 1546 Luthers Leiche von Eisleben nach Wittenberg brachte, und sie in Halle in der Frauenkirche über Nacht niedersetzte, stimmte alles Volk unter vielen Thränen dieses Lied am Sarge an.

7. JEsus Christus, unser Heiland, der von uns den Gottes Zorn wandt'.

Dies Lied ist schon im Jahre 1524 überschrieben: ,, Das Lied S. Johannes Hus ge= bessert." Damit iſt der lateinische Hymnus von Hus gemeint: Jesus Christus, Nostra Salus. Aber es ist unsers Luthers Lied durchaus keine bloße Uebersetzung dieses Hymnus. Das Wort ,, gebeffert" bezieht sich nicht auf den poetischen Ausdruck, sondern auf die evangelische Lehre vom hl. Abendmahl. Luther wollte wohl mit diesem Liede die Uebereinstimmung mit der alten Kirche nachweisen und ein Bekenntnis für Hus ablegen. Das Lied ist äußerst wichtig für die Lehre vom hl. Abendmahl. Wir sehen daraus, wie die Lehre von der Rechtfertigung und vom hl. Abendmahle Luthers Seele von Anfang an ganz erfüllte. Die Melodie von 1524 ist alt- böhmischen Ursprungs.

8. Gott sei gelobet und gebenedeiet.

Dieses Lied enthält den 2 obgesang nach dem hl. Abendmahle für den em­pfangenen Leib und Blut des HErrn. Den ersten Vers sammt der Melodie fand Luther in der Kirche vor. Schon längere Zeit vor der Reformation ertönte dieses alt= deutsche geistliche Volkslied. Luther richtete es zu für den gottesdienstlichen Gebrauch, indem er den er sten Vers unverändert ließ, die nachfolgenden aber neu bearbeitete. Er hielt dieses Lied sehr hoch und sah es an als ein Zeugnis aus besserer Zeit und als ein Band zwischen der alten und der evangelischen Kirche.

9. Es wollt' uns Gott genädig sein.- Psalm 67.

Es ist der 67ste Psalm fast ohne Zusäße in Liedform gebracht und kann als das erste Missionslied der lutherischen Kirche gelten. Es findet sich zuerst in ,, Eine Weise, christliche Messe zu halten.- M. Luther, 1524."

10. JEsus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand.

Ein Lobgesang auf das Osterfest. Es findet sich dies Lied schon 1525 im Erfurter Enchiridion mit einer eigenen Melodie.

11. Christ lag in Todesbanden.

Es gab einen uralten deutschen Ostergesang aus dem 12. Jahrhundert( wohl das erste deutsche Kirchenlied), welches sogar bei der lateinischen Liturgie am Sonntage in einzelnen Kirchen vom Volke in deutscher Sprache gesungen wurde. Derselbe lautet: ,, Christus ist uferstanden von des Todes Banden."- Dieser altdeut­sche Ostergesang wurde so beliebt, daß im 13. und 14. Jahrhundert manche Umbildungen mit Erweiterungen entstanden. Luther hatte eine besondere Freude an diesen alten Liedern. Er erweiterte den ersten Vers des alten deutschen Liedes und dichtete Vers 2-7 als Original hinzu, mit Anklängen des ihm so lieben lateinischen Osterliedes, Victimae Paschali, aus dem 11. Jahrhundert. Eine Fülle von Gedanken, zusammengefaßt in kurzen gedrungenen Worten! Alle Worte sind aus der hl. Schrift, und voller Saft und Kraft.

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