Von Besuchung der Kranken.
( Von Besuchung der Kranten.
Das Amt eines gerechten und getrenen Dieners der Kirche erfordert nicht allein, daß er öffentlich dem Volke predige, dem er zum Hirten verordnet ist, sondern auch soviel es immer möglich, einen jeden insonderheit vermahne, strafe und tröste. Nun hat aber der Mensch nimmer höher der göttlichen Lehre und wahren Trostes vonnöten, denn wann er durch Widerwärtigkeit heimgesucht wird, als da sind Krankheiten und dergleichen, vor= nehmlich aber in Todesuöten. Denn alsdann ist sein Gewiffen mehr geängstiget als sonst im ganzen Leben, dieweil er fühlet, daß er vor das Urteil Gottes gefordert wird, zum Teil auch von wegen der Anläufe und Anfechtung des Teufels, welcher alsdann mit Gewalt ihm zusetzt, auf daß er das arme, franke und betrübte Herz gar unterdrücken und in Abgrund der Verzweiflung stürzen möge. Derhalben dieweil die Diener der Kirchen Diener Gottes sind und aber Gott unter anderen Namen seiner Majestät vornehmlich diefen Titel fiihret, daß er eine Zuflucht der Elenden, ein Heiland derer, so da sind eines zerschlagenen Herzens: so sollen auch die Diener Gottes mit allem Mitleiden, Treu und Fleiß die betrübten Herzen trösten und zu dem Sohne Gottes durch die Verkündigung feines heiligen Evangeliums weisen, die ihnen Hülfe verspricht. Kommt alle( sagt er) zu mir, die ihr beschwert und beladen seid, ich will euch erquicken. Wiewohl nun alle Bekümmerten und Kranken nicht einerlei Anliegen haben und deswegen auch ein solcher Troft nicht kann beschrieben werden, der auf die Gestalt und Umstände eines jeden Anliegens gerichtet sei, so sollen dennoch diese nachfolgenden Hauptstücke und Lehren gemeiniglich allen Kranten vorgetragen werden. nurodys an
Erstlich, daß alle strankheit nicht ungefähr, sondern von der Hand Gottes und seiner väterlichen Vorsehung uns zugeschickt werde, auf daß wir unsere Sünden als die Ursach alles unsers Elends erkennen und uns vor Gott demütigen.
Diese Ursach der Krankheit soll der Kirchendiener den Kranken, welche ihre Sünden nicht recht fühlen, woh vor Augen halten, wie auch dagegen im Fall der Kranke mit Schmerzen seines Gewissens geängstiget ist, der Kirchendiener das verwundte Gewissen nicht härter ängstigen, sondern vielmehr die heilsame Gnade Gottes ihm fleißig vorstellen foll. Dazu der Kirchendiener brauchen mag die erste Frage des Katechismus und dieselbige dem Kranken mit Sprüchen aus der heiligen Schrift wohl vorstellen, daß nämlich der arme franke Leib, wie er da liegt, samt der Seele des Herrn Christi eigen sei, und durch das Blut Jesu Christi von allen Sünden erlöset und erkaufet 2c. Dies soll auch der Kirchendiener zu mehrerm Trost durch alle Artikel des christlichen Glaubens dem Kranten anzeigen, wie er sich eines jeden Artikels für seine eigene Person in seiner Krankheit habe zu trösten; wie denn dasselbige leichtlich aus dem Katechismus und dabei angezogenen Sprüchen zu thun ift.
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Auch mag bisweilen, sonderlich wenn der Kranke zum erstenmale besucht wird, ihm diese folgende Vermahnung mit solchen oder dergleichen Worten vorgesprochen werden: Lieber Freund, weil Euch unser Herr Gott mit Schwachheit Eures Leibes heimgesucht, damit Ihr es Gottes Willen heimstellet, sollt Ihr wissen:
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Zum ersten, daß solche unsere Leibeskrankheit uns von Gott, dem Herrn, Siinden willen zugeschickt wird und daß die Erbfünde, welche von Adam auf uns geerbet, den Tod und alles, was in des Todes Reich gehöret, als Gebrechen, Krankheiten, Elend, Jammer 2c. mit sich bringet; denn wären wir ohne Sünde geblieben, so hätte weder der Tod noch einigerlei Krankheit an uns etwas mögen schaffen. Bosch
Zum andern, damit wir aber in unsern Sünden, Krankheit und allerlei Anfechtung, auch des Todes Angst und Not, nicht verzweifeln müßten, so lehret uns das heilige Evangelium, daß uns Christus, Gottes Sohn, von den Sünden los und selig machen will, so wir glauben an seine Berheißung.
Und solches geschieht auf zweierlei Weise: erstlich, daß er uns hier auf Erdey durch das Evangelium und die heiligen Sakramente unsere Herzen und Gewissen reiniget, Apostelgesch. 15: Er hat ihre Herzen gereiniget durch den Glauben"; zum andern: wenn aber unsere Gewissen dergestalt von Sünden gereiniget und mit Gott dem Vater durch den Glauben versöhnet sind, muß auch die Sünde aus unserer Natur und Willen ausgefeget und vertilget, und wir endlich von allen Sünden gereiniget und in wahrer Gerechtigkeit und Reinigkeit, die Gott von uns erfordert, vollkommen werden, damit wir mit Gott ewig mögen leben.
Zum dritten: damit mun solches geschehe und in uns vollbracht werde, so schickt uns unser lieber Herr Gott Krankheit, ja auch den Tod zu, nicht der Meinung, daß er mit uns zürne und uns verderben wolle, sondern aus großen Gnaden, daß er uns in diesem Leben zu wahrer Buße und Glauben treibe, und endlich aus der Sünde, darin wir noch stecken, und aus allem Unglück, beide leiblich und geistlich, frei mache, wie folches die heilige Schrift reichlich bezeuget. Denn so sagt St. Paulus 1 Kor. am 11.: Wenn wir gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht mit dieser Welt verdammt werden."
Item Römer am 8.: ,, Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen", und kann sie von der Liebe Gottes in Christo Jesu nichts abscheiden, es sei Fener, Schwert, Hunger, Tod oder Leben zc.
3um vierten: weil mun dem also und Tu aus dem heiligen Evangelium, durch den Mund des Sohnes Gottes, unsers Herrn Jesu Christi, geprediget und mit seinem Tod


