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Gesangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg : [nebst] Die Leidensgeschichte Jesu Christi; Sonn-, fest- und feiertägliche Evangelien und Episteln; Gebete
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Gebet in Kreuz und Not. Gebet eines Sterbenden.

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Ein anderes Gebet in Krenz und Not.

Mein Gott! Du führest mich durch das dunkle Thal ber Leiden; aber ich will mich nicht fürchten, denn du bist bei mir. Meine Seele sei stille zu dir, und deine Liebe sei mein Trost. Nach deinem weisen Rate geschieht es, daß wir auch durch Trübsale in dein Reich geführt werden; und du läsfest uns nicht umkommen noch verderben, wenn wir dir treu bleiben. D so erhalte mich dir getreu! Wann mich nichts mehr trösten kann, so sei du bei mir und erquicke die müde Seele. Sei du meine Zuflucht, daß ich auch im Leiden deinen Namen preise. Will ich mutlos und verzagt werden, und dünkt mir die Last zu groß, die du mir auflegst, so er­mutige mich durch den Aufblick zu Jesu, der dir gehorsam worden ist bis zum Tod am Kreuze, der auch meine Laft getragen hat. Laß mich mit ihm überwinden und geduldig auf die Stunde der Erlösung harren. Läutere mich durch das Feuer der Prüfung, daß ich vor dir bestehe in Treue und Wahrheit. Du wirst mich reichlich trösten, wenn ich mit Christo leide.

Meinest du es doch gut mit mir, wenn du mich demütigeft und deine Hilfe zu verziehen scheineft. Du willst mich losreißen von der Liebe der Welt, von aller fündigen Luft und meine Seele zu dir ziehen und heiligen. D so laß meine Trübsal dazu gesegnet sein; führe alles hinaus zum Preise deines väterlichen und weisen Rates. Sind doch die Leiden dieser Zeit nichts gegen die Herrlichkeit, die du einst an uns offenbaren willst. Laß mich geduldig ausharren in der Anfechtung und darin bewähret werden, damit ich die Krone des Lebens empfange, die du verheißen hast denen, die dich über alles lieben, und mit Freuden ernte, was ich mit Thränen gesät habe! Amen.

Gebet eines Sterbenden.

Gott, du einziges Labsal meines Herzens! Meine Seele schmachtet, und mein Geist verlanget nach dir. Komm, Herr, und laß deine Hilfe nicht ferne von mir sein. D du wahres, unsichtbares Licht, das nimmer­mehr verlöschet, mein Lebenslicht erlöschet, öffne mir das Auge meines Geistes, daß ich dich sehe!

Herr Jesu! Sei gnädig mir armen Sünder, laß dein Leiden und Sterben nicht an mir verloren sein. Hilf mir zur ewigen Seligkeit. Ich bin krank und schwach, und es ist keine Kraft mehr in meinem Fleische. Herr, mein Arzt, hilf mir. Meine Seele dürftet; tränke und labe mich mit deinem himmlischen Troste. Hier liege ich und schlafe ein, erwecke mich zu dem wahren Leben, daß ich deinen Namen ewiglich lobe. Erlöse mich von diesen Banden, Herr, mein Schuk, mein Erretter, mein Trost, meine Zuflucht und meine Stärke.

Geist des Herrn! Vertritt mich in meinen legten Augenblicken durch