XI
Aber wozu dann die vielen und langen Gebethe in den Gebethbüchern? Ich antz wortete: Es wäre zu wünschen, daß sie entbehrlich wären, und daß ein jeder Christ nach seiner Lage und nach seinen Bedürfnissen aus dem Herzen bethen könnte, daß er selbst Gedanken und Empfindungen des Vertrauens, der Liebe, der Dankbarkeit u. s. w. gegen Gott in sich erwecken und ausdrucken könnte. Aber weil es bey so vielen der Fall ist, daß sie solches aus sich nur mühsam vermögen; so sollen die Gebethbücher ihnen das erleichtern, sie sollen ihnen dazu Anleitung geben, und gleichsam wie in einem Spiegel vor Augen halten, an was sie denken sollen, um die heiligen Empfindungen gegen Gott in sich zu erwecken. Siehe! dazu sind die Gebethbücher; und die oft langen Gebethe darin sind dazu da, um sich an den Tagen, welche der Gottesverehrung ganz gewidmet seyn sollten, wie auch an den Bußtagen, und in andern Stunden der Andacht damit zu beschäftigen. Es kommt aber alles nur darauf an, daß
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