Druckschrift 
Vollständiges Christkatholisches Gebethbuch / von Michael Hauber, Königl. Bayerischen Hofprediger und Hofkaplan. Mit Bewilligung des Fürstbischöfl. Ordinariats zu Wien, d. Fürstbischöfl. Seckauer Ordinariats zu Grätz usw. [d. bayer. Bistümer]
Entstehung
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für die Verstorbenen.

fo viele meiner verblendeten Brüder, mein ganzes Leben mit Sorgen und Arbeit für die hinfälligen Dinge der Erde, für ihre eitlen Freuden und nichtigen Vortheile zubrächte, für das Beste meiner Seele aber gar nicht, oder nur oberflächlich, bekümmert wäre? Wie entfeßlich müßte meine Reue, wie bitter und frucht­los meine Thränen seyn, wenn ich einmahl hingeworfen auf mein Sterbelager mit zitternder Angst auf mein vollbrachtes Le­ben zurückschaute, und Nichts, oder nur Wenig fände, was mich nun trösten, und mir Freude und Zuversicht vor meinem Richter geben könnte? Wenn ich mir sagen müßte: Ich habe so viel gearbeitet, so manche Mühseligkeit erduldet, so viele Aufopferungen gemacht, um den Menschen zu gefallen, um mir bequeme, wollüstige Tage zu verschaffen, um zu glänzen; und für mich, für meine Seele, für meinen Gott habe ich nichts gethan? Ich habe für meinen Körper gelebt, und meine See­le, das Allerwichtigste an mir, habe ich vernachlässigt? Nein, o mein Vater! so thöricht will ich nicht seyn; ich will hinauf­schauen auf meine Todesstunde, und sie soll mich antreiben, gut zu seyn; ich will, wenn mir eine Versuchung schmeichelt, eine Sünde mich einladet, eine böse Neigung mich zu unver­nünftigen Rasereyen ruft, mein Grab bedenken, und mir sagen: Wie schwer würde diese That auf mich einst drücken, wenn ich sie mir erlaubte? Ich will bey allen Dingen, die ich unter­nehme, fragen: Wird mir dieses einst auf meinem Sterbe­bette Trost oder Verzweiflung bringen? Ich will, wenn mich Die Habsucht reizt, die Wollust lockt, die Ehrsucht an sich reißt, mir vorstellen, daß einst nicht Gold, nicht genossene Freuden, nicht Würden, aus den Klauen des Entsegens befreyen; wohl aber werden mich dann gute Werke, tugendhafte, edle, wohl­thätige Handlungen erquicken; und das Andenken an vollbrach­te Werke christlicher Liebe, ja sogar die Erinnerung an einen Trunk Wasser, den ich einem Dürstenden um Jesus willen reich­te, wird mich dort mehr erfreuen, und mir mehr nüßen, als wenn ich Millionen besessen, oder in allen Lüften der Sinne ge­schwelgt hätte. Dieß soll mich zur Wachsamkeit, zum Eifer, gur Thätigkeit entflammen, daß ich mir, solche Schäße erwer­be, die dann, wenn eine Welt nichts mehr in meinen Augen seyn wird, mich nicht verlassen, mir auch von dem Tode nicht können geraubt werden. Fromm und gut, und christlich will