Kranken- und Sterbegebete 2c.
jene entfernten und nahen Vorbereitungen treffen wolleft, die mir nothwendig sind, um heilig zu sterben.
O mein Erlöser! gib doch, daß ich, als getreuer Nachfolger des Beispieles, welches du uns gibst, wie du auf den Altären ein von allen Geschöpfen gänzlich abgesondertes, verborgenes und in Gott versenktes Leben führe,- ein Opferleben, welches dahinfließt in immerwährender Anbetung der Größe und Vollkommenheiten deines Vaters, in tiefer Vernichtung meiner selbst, in steter Buße und Verdemüthigung meiner Sünden wegen, in ununterbrochenen Seufzern über meine Armseligkeiten, in beständigem Beten und Bitten wegen meiner Bedürfnisse, in unverbrüchlichem Gehorsam gegen den Willen meines Schöpfers rücksichtlich meiner Pflichten, in beständiger Beraubung aller Tröstungen dieses Lebens, so, daß ich stets der Welt, der Sünde, der Begierlichkeit absterbe, stets in der Betrachtung der Vollkommenheiten Gottes versenkt sey, und stets von den heiligen Flammen der Liebe verzehret werde! Gib, daß ich in der Welt sey, wie du in diesem heiligen Saframente bist, nämlich, als wäre ich nicht darin; daß ich, nach deinem Beispiele, Augen habe, ohne zu sehen, was da vorgeht,
Ohren, ohne zu hören, was da geredet wird, eine Zunge, ohne zu reden, was da gesehen wird, Hände, ohne etwas von dem zu thun, womit man sich da beschäftiget, Füße, ohne demjenigen nachzugehen, was man da sucht,- endlich ein Herz, ohne zu lieben, was man da liebt!
Um die nahen Vorbereitungen zu einem heiligen Tode in mir zu treffen, laß mir, o mein Erlöser! jene Hilfe zu Theil werden, um welcher willen du dieses allerheiligste Sakrament eingesetzt hast! Würdige dich, vor meinem Hintritte aus dieser Welt mir als Wegzehrung dich zu geben, um meine Seele für die große Reise in die Ewigkeit zu nähren und zu stärken,- als solche mein Wegweiser zu seyn, sie dahin zu führen, mein mein Licht, sie zu erleuchten, meine Kraft, sie zu unterstüßen, Beschüßzer, sie zu vertheidigen, mein Sachwalter, ihre Angelegenheit bei deinem Vater zu verfechten, und ihr Gnade zu erhalten! Laß sie nicht allein und aller Hilfe beraubt- in jener schrecklichen Verlassenheit von den Geschöpfen, worin sie
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