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Jesus und die Jungfrau : vollständiges Unterrichts- und Gebetbuch für christliche Jungfrauen aller Stände größtentheils in Gesprächen zwischen Jesus und der frommen Seele ; in zwei Abtheilungen
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Von dem Berufe

Liebe zu prüfen, und dich ihm gleichförmig zu machen, über dich verhängen wird. Und weil du in einem Tage oder in einem Jahre zu solcher Vollkommenheit nicht gelangen kannst, so folgt hieraus, daß du das Gelübde deiner Jungfräulichkeit auf eine längere Zeit hinaus verschiebest.

Sollest du aber ein Gelübbe der Keuschheit schon gethan haben, so schreite auf diesem Wege fort, mit großem Vertrauen auf die Gnade Jesu Christi.

II.

Sichere Kennzeichen des Berufes zur emigen Keuschheit.

Miſſe, daß der Geiſt Gottes nicht allen Zungfrauen

auf gleiche Weise zum redet, ausdrücklichen Worten ihnen sagt, daß sie ihm ihre Jungfräulichkeit geloben sollen. Es gibt andere Wir­fungen, die dir den Willen Gottes und deinen Beruf zu erkennen geben.

Erstes Kennzeichen. Wenn du neben der Hochschätzung des jungfräulichen Standes von den ersten Jahren an eine heftige Neigung, Liebe, Begierde zum Gebete und zur Einsamkeit verspürest, und die Welt sammt ihrer Pracht und ihren schnöden Freuden verachtest, oder aber, wenn du nach dem Klosterleben von Jugend auf einen unüberwindlichen Hang in deinem Herzen getragen hast. Wenn du auch schon diesen Stand nicht erreichen fannst, so hast du doch ein sicheres Zeichen, daß Gott an deiner Jungfräulichkeit ein Wohlgefallen hat; denn eine solche Anmuthung kann nicht von der Welt und von dem Fleische kommen.

Bweites Kennzeichen. Wenn du durch die Gnade Jesu Christi in dir eine heftige und immerwährende Begierde nach christlicher Vollkommenheit verspürst, und eines­theils den Ehestand als ein großes Hinderniß, andern­theils aber den jungfräulichen Stand als ein bequemes Mittel betrachtest, dein vorgesetztes Ziel zu erreichen,