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Kurze Lebensgeschichte
bat, mit ihm den Psalm: Gott, wir loben dich", zu singen. Nach Beendigung dieses himmlischen Gesanges kam ein anderer Pater in sein Krankenzimmer. Kaum hatte er diesen erblickt, so rief er voll Freuden ihm entgegen: Mein lieber Pater, wir werden mit Freuden von hinnen ziehen." Wohin?" fragte der Pater. Und Aloysius sagte: In den Himmel, zu Gott in den Himmel!" Der heilige Jüngling verlor sich in Anschauung der himmlischen Freuden, die ganze Nacht war er in einer Verzückung. Man vermuthet, daß in dieser ihm der Tag und die Stunde des Todes sei geoffenbaret worden; denn er sprach nachher, daß er in der Frohnleichnams- Oktav sterben. werde. Je näher er seinem Ende kam, desto eifriger war sein Bestreben, in der innigsten Vereinigung mit Gott fich zu erhalten. Er bat einen Pater, auf den er vorzüglich sein Vertrauen setzte, und dem er seinen Sterbetag geoffenbart hatte, er wolle doch jeden Tag drei Stunden vor der Nacht zu ihm kommen und mit ihm die sieben Bußpsalmen beten. Der Pater that's sehr gerne. Wenn er dann des Abends kam, legte er dem Kranken im Bett ein Krucifir vor, kniete selbst vor demselben nieder und fing das Gebet mit ihm an. Welch' ein Anblick war das für den Zuschauer! Da lag der Heilige mit unverwandtem Blicke auf den Gefreuzigten. Hohe Andacht und innige Liebe strahlte aus seinem bleichen Angesichte.
Je mehr sein äußeres Leben abnahm, desto mehr nahm sein inneres Leben zu. Die drei lezten Tage hindurch hatte er stets ein kleines Krucifir auf seiner Brust liegen. Er sprach immer von geistlichen Dingen, bisweilen aber hörte man ihn leise für sich selbst beten. Indessen war der Tag der Frohnleichnams- Oktav angekommen, an dem er, wie er sagte, sterben sollte. Alle, welche ihn an diesem Tage besuchten, glaubten und sagten, daß es mit ihm besser geworden. Der Heilige blieb aber mit innerer lleberzeugung bei seiner Aussage. Unter andern kam am gleichen Tage ein Pater in sein Krankenzimmer, der gerührt über den Anblick des Leidenden sprach: Mir thut es
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