II. Von den Peinen des Fegfeuers. 25
Man muß ganz rein sein, um in den Himmel gelangen zu können.
Obwohl die geringern Sünden uns nicht der Freundschaft Gottes berauben, so ist doch gewiß, daß sie unsere Seele beflecken und daher, bevor wir vor demjenigen erscheinen können, der die Heiligkeit selbst ist und nicht die geringste Makel vor sich erdulden kann, eine Reinigung im Fegfeuer erfordern, wenn eine solche nicht schon im Leben vollbracht worden ist. Sehr beleuchtend ist hiefür auch folgende Geschichte, die zeigt, daß sogar kleine Kinder einer solchen bedürftig sein können. Die heilige Perpetua, welche im Jahre 203 den Martertod erlitt und wegen ihrer ausgezeichneten Heiligkeit in den heiligen Canon der Messe gesetzt wurde, hat in ihrem bekannten merkwürdigen Berichte selbst folgende Gesichte beschrieben, die sie kurz vor ihrem Tode von ihrem Bruder Dinokrat hatte, der in einem Alter von sieben Jahren, an einem Krebse im Gesichte, gestorben war. Bald nachdem sie auf eine besondere Mahnung angefangen hatte, für ihn zu beten, sah sie ihn schmachtend vor Durst und Hiße, unsauber, mit der gehabten. Wunde im Gesichte, aus einem finstern Kerker, wo noch viele Andere behalten waren, hervorgehen. Als sie nachher noch inbrünstiger für ihn betete, sah sie ihn bald wieder an einem hellen Orte, reinlich und fröhlich, mit andern Kindern spielend,


