II. Von den Peinen des Fegfeuers. 23
dieses Lebens können mit jenen des Reinigungsortes nicht in Vergleich gesetzt werden Und wer weiß denn, wie viele Tage, Monate, Jahre er da bleiben wird? Man würde sich fürchten, den Finger in's Feuer zu halten, und sollte sich nicht fürchten, eine lange Zeit in der verzehrenden Flamme zu sein?" Im gleichen Sinne sagt der heilige Bernhard: ,, Werfet den alten Sauerteig von euch, Brüder, da ihr noch Zeit dazu habt. Die Tage, welche uns zur Reinigung verliehen sind, gehen zwar vorüber, wir mögen wollen oder nicht; aber wehe uns, wenn sie werden erfüllt sein, und unsere Reinigung nicht vollkommen sein wird, so daß wir nothwendig durch jenes Feuer gereiniget werden müssen, gegen das in diesem Leben nichts Peinlicheres, nichts Schärferes und nichts Heftigeres erdacht werden kann."( Serm. VI. de Purif.) Diese Ansicht vom Fegfeuer haben überhaupt alle heiligen Kirchenväter und Kirchenlehrer.
Wenige Auserwählte entgehen den Peinen des Fegfeuers.
Aus dem einzigen Ausspruche der heiligen Schrift( Offens. 21. 27.), wo es von der heiligen Stadt heißt: ,, Nichts Unreines wird in dieselbe eingehen," läßt sich entnehnen, daß sich wenige Sterbende dieses höchten Glückes, unmittelbar zur Anschauung Bottes zu gelangen, zu erfreuen haben. Die


