Druckschrift 
Geistlicher Lilienkranz, geflochten aus siebenzehn Betrachtungen zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Mariä und zu Nutz und Frommen ihrer Verehrer geistlichen und weltlichen Standes / von Franz Berg, Pfarrer. Mit Genehmigung des hochw. Bischöfl. Ordinariats Limburg
Entstehung
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2. ,, Selig die Unbefleckten im Wan­del." Unter Wandel versteht man im Allge­meinen die Lebensweise des Menschen, im Be­sonderen das Verhalten in sittlicher Beziehung. Als solcher hat der Wandel eine innere und eine äußere Seite. Die innere Seite ist Gott zugekehrt, der allein ein unfehlbares Urtheil darüber hat, weil Er es allein ist, der nach den Worten der H. Schrift Herzen und Nieren des Menschen erforscht. Die äußere Seite des Wandels ist der Welt zugekehrt, die nur das Aeußere in's Auge faßt und demgemäß nur nach dem äußeren Scheine urtheilt; und da die Welt nach dem Zeugnisse des h. Geistes im Argen liegt, also voller Makeln und zwar gar schlimmer Makeln ist, so ist es nicht zu verwundern, daß die Welt auch den Wandel des Menschen zu bemakeln sucht, ganz beson­ders aber den Wandel derjenigen, welche sich ihr nicht gleichförmig machen wollen. Es trifft hier ganz genau im Allgemeinen ein, was die H. Schrift vom Stolzen insbesondere sagt: Das Gute verkehrt er hinterlistig in Böses, und selbst den Auserwählten hängt er Mateln an." Jes. Sir. 11, 33. Es ist daher sehr schwer, ja man könnte fast sagen unmöglich, vor der Welt unbefleckt zu wandeln. In dieser Be­ziehung sagt der H. Hieronymus treffend: ,, Es ist schwer, in der Welt, wo es als Siegespreis der Lafter gilt, ehrbare Leute zu verleumden