Die Kirche und ihre Sprache.
unser" und ,, Gegrüßest seist du, Maria" laut in Lateinischer Sprache zu beten und ebendasselbe Abends nach der Litanei zu der seligsten Jungfrau zu thun. Niemand hatte daran gedacht, ihnen Solches zu befehlen, aber sie betrachteten es als eine Huldigung für die Römisch- katholische Kirche und empfanden, wie sie sagten, einen großen Trost dabei. Dasselbe war der Fall beim Confiteor, Domine non sum dignus und anderen Theilen der Liturgie, obgleich sie dieselben gut in Japanesischer Sprache wußten.') Wer will es also unserem christlichen Volke verargen, daß es die Sprache der Kirche als unantastbares Heiligthum betrachtet?
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Man sage nicht, das Volk müsse verstehen, was beim Gottesdienste geschieht, also seine Landessprache hören. Gewiß, das Volk soll, nicht muß, seinen Gottesdienst verstehen. Aber was daran verstehen? Die einzelnen Wörter? Dies kann man ohne Lächerlichkeit nicht behaupten; denn nicht um Belehrung, sondern um eine heil. Handlung, um den Dienst Gottes handelt es sich. Der Klang der Wörter ist Nebensache, ja bei den heiligsten Augenblicken des Opfers geradezu störend. 2) Also ist der Vordersatz bedeutungslos. Und sogar gesetzt, aber nie zugegeben, daß das Volk den Gottesdienst so wörtlich genau verstehen müsse,
folgt denn hieraus, daß die Landessprache nothwendig sei? Man darf aber nie vergessen, daß das Opfer weder Predigt, noch Christenlehre, sondern ausschließlich Dienst Gottes ist. Und an diesem nimmt der Gläubige vollen Antheil, wenn er den Sinn der heil. Handlung versteht und seine Meinung mit dem Priester macht. Braucht er aber dazu Wort für Wort zu hören, angepredigt zu werden? Die gangbarste Sprache sind die Ceremonien; versteht man diese nicht mehr, so liegt die Schuld am Religionsunterrichte, nicht an der Kirchensprache. Gerade deßhalb drang noch zuletzt die Trienter Kirchenversammlung so ernstlich auf gründlichen Unterricht, Erklärung der hochheil. Gebräuche, auf Predigt und Katechismus. Ja ist nicht gerade das Geheimnißvolle der
¹) A. a. D. Bd. III. S. 122. Jahresbericht des P. Kaspar Coegler, Viceprovincials von Japan, aus dem J. 1582.
2) Deshalb muß der Priester z. B. die Wandlungsworte möglichst leise sprechen und den Kanon still beten.


