Worin der stubirende Jüngling sich üben soll. 21
5. Willst du aus dem Stande der Sünde in den Stand der Gnade gelangen, so kannst du dies nur durch die Gnade Gottes. Sie ist es, welche dich ruft, dich ermuthigt; sie ist es endlich, welche dir die nöthige Kraft zum Aufstehen und zur Rückkehr verleiht. Wie aber erlangst du diese Gnade? Der hl. Augustin sagt es dir mit den Worten:„ Wir glauben, daß Niemand den göttlichen Beistand erhält, als der darum bittet." Die Worte des hl. Augustinus sind auch die Lehre der Kirche. Daraus folgt, daß das Gebet der erste Weg ist, zur Besserung zu gelangen; das erste Mittel, den beleidigten Gott zur Erbarmung zu bewegen; das erste Brett, um sich aus dem Schiffbruch zu retten. Kehret euch zu mir, spricht der Herr der Heerschaaren, so will ich mich zu euch kehren."( Bach. I. 3.)
Dies Wenige möge dich überzeugen, daß du ohne Gebet dein Seelenheil nicht wirken kannst, und daß du sogleich demselben mehr und eifriger obliegen mußt, als es bis jetzt geschehen ist. Aber du sagst vielleicht, das Gebet sei etwas so Trübsinniges und Unerquickliches, daß es dich immer große Neberwindung koste, auch nur einige Augenblicke demselben zu weihen. Es mag sein, daß du wirklich noch nie den Trost und die Wonne des Gebetes verkostet hast. Du kennst vielleicht bis jetzt nur die üppigen Freuden finnlicher Gelüste, die das Herz aufregen, aber nicht beruhigen, die Leidenschaften entzünden, aber nicht befriedigen. Du kannst dir daher keine Vorstellung machen von den himmlischen Tröstungen, den reinen Freuden heiliger Liebe Gottes, dem Versenken in Gottes hl. Tiefen; daher ist eine solche Sprache dir auch unverständlich, und dein Herz, gewohnt an sinnliche, thierische Freuden, nicht mehr empfänglich für himmlische Luft. Aber koste einmal im Gebete aus dies sem Becher der himmlischen Wonne, und du wirst
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