Worin der studirende Jüngling sich üben soll. 17
kramente, als das wirksamste Mittel zur Vereinigung mit ihm. Liebe Gottes ist die Seele der Frömmigkeit, die Triebfeder aller frommen Gedanken und Handlungen. Du wirst nun, christlicher Jüngling, leicht begreifen, wie nothwendig dir diese Frömmigkeit sei, wenn du bedenkst, daß du ohne Frömmigkeit kein Christ bist; denn ein Christ iſt ein Anhänger Jesu Christi. Wie kannst du aber dies sein, wenn du teine Anhänglichkeit an ihn hast, wenn dir der Umgang mit ihm zum Ekel ist, wenn du es vermeidest, in frommen Gebeten dich mit ihm zu unterhalten? Bestrebe dich also aus allen Kräften, die Frömmigkeit dir eigen zu machen; sie ist dir, willst du ein Chrift und ein Diener Gottes sein, ebenso nothwendig, als dem Soldaten die Tapferkeit, dem Philosophen die Weisheit, dem Gelehrten die Wissenschaft. Doch du glaubst vielleicht, Frömmigkeit störe den jugendlichen Frohsinn, passe nicht für dein Alter, weil sie zu sehr mit ernsthaften Dingen sich befasse; oder sie sei nicht vereinbar mit den nothwendigen Eigenschaften eines gebildeten Jünglings. Dann bist du von einem sehr großen und gefährlichen Frrthume befangen. Frömmigkeit ist ja nicht Kopfhängerei oder trübfinniges Wesen, nicht finsteres Umherschleichen oder melancholisches Seufzen. Frömmigkeit ist gerade die reichste Quelle unschuldiger Freuden, wahrer Heiterkeit und wahren Frohsinns; denn sie gibt ein gutes Gewissen, ohne welches kein Frohsinn, keine Freude möglich ist. Auch darfst du nicht fürchten, daß sie mit den Eigenschaften eines gebildeten Jünglings nicht vereinbar sei; denn gerade fie gibt ihm einen besondern Reiz und gehört zu seinem schönsten Schmucke. Ein frommer Jüngling gleicht dem Engel, der am Altare dem Herrn Weihrauch opfert. Das unentweihte Herz erhebt er zu seinem Gott, unschuldige himmlische Gedanken
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