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Gott ist die reinste Liebe : mein Gebet und meine Betrachtung / vom Hofrath von Echartshausen
Entstehung
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trifft, du solltest mich verlaffen können? O wer so denken kann, der kennt dich nicht. Du bist die Liebe, und was vermag die Liebe nicht!

Sieh, Herr! auf dieser Erde, auf die du mich geseßt hast, ist so viel Elend. Betrachte mein Auge; in Thränen spiegelt sich die Sonne, wenn sie untergeht, und die Morgenröthe hört mein Seufzen. Sieh! das Herz, das du mir gabst, wird vom Gram gefoltert; und diese Arme, die du mir, Schöpfer! gegeben hast, strecke ich gen Himmel, und flehe um Rettung.

Du, der du alles übersiehst, der du alles weißt! höre mich, und eile, mir zu helfen. Du bist mein Vater; du gabst mir Seele und Herz; laß die Seele des Kindes nicht die Beute des Grams, und dieses Herz nicht das Opfer der Trübsal seyn. Denke, daß ich ein sinnliches Ge­schöpf bin, das Organe hat und leidet; kannst du dein Kind leiden sehen? du bist Vater, du hilfft und rettest.

Nein!

Habe ich deine Wege auch je verlassen war ich dir ungehorsam: soll ich nun vor dir zittern? soll ich nun zweifeln, ob du mich hören wirst? Nein, Herr! ich zweifle nicht; du hörest auch den, der dich verließ und froh streckest du deine Arme gegen den Verirrten aus.

Du bist nicht wie ein Mensch, der seine Launen hat, der zürnt und pochet, zankt und schmähet, oder der sich nur langsam durch Win­

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