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bet seyn, wenn wir uns in solcher Gesinnung und Stimmung dazu begåben! Darum, geliebter Leser, begib dich nie anders zum Gebete, als in heiliger Freude und Begeisterung über die hohe Gnade, nun mit Gott reden zu dürfen, und in demüthiger Anerkennung und lebhafter Vorstellung der unendlichen Größe und Herrlichkeit Gottes, so wie deiner Armseligkeit und Unwürdigkeit, deiner Sünden und Fehler; und um seine Erleuchtung und Hilfe, damit du würdig zu ihm betest! Die Demuth ist die beste Vorbereitung zum Gebete. Wer sich für unwürdig hält, zu beten, der allein betet würdig.
So wie aber die Betrachtung der unendlichen Größe und Majestät Gottes uns in den Abgrund unsers Elendes und Nichts versenken, mit Ehrfurcht und Anbetung erfüllen soll: so muß die Betrachtung seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit uns wieder aus dem Abgrunde hervor und machtig zu ihm hin ziehen, und unser Herz mit inniger Liebe und kindlichem Vertrauen erfüllen. Wie ein Kind mit seinem Vater, ein Freund mit seinem Freunde, so sollen wir mit unserm Herrn und Gott reden, so innig und herzlich, so einfach und aufrichtig, so zuversichtlich und vertrauensvoll, so ergeben und resignirt in seinen heiligsten Willen. Auf diese Weise wird unser Gebet immer erhaben und kindlich zugleich seyn, wie es uns der göttliche Heiland in seinem Mustergebete, dem heiligen Vater Un


