Druckschrift 
Gebet- und Erbauungsbuch für katholische Christen / hrsg. von J. B. Devis, S. J., vormaligem Pfarrer zu Cöthen. Mit e. Titelkupfer. Mit Genehmigung der Apostol. Nuntiatur zu München
Entstehung
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Unterricht vom Gebete.

Kind gern an seinen lieben Vater, und ergießt willig vor ihm seine Gesinnung; wie sollte denn der Christ nicht auch gern an Gott, seinen huldvollsten Vater, an Jesum, seinen liebreichen Er­löser, denken, und mit Freude seine Empfindungen der Ehrfurcht, der Dankbarkeit und Liebe vor Jhm niederlegen, und im zärtlichen Vertrauen Ihn um seine Hilfe und Gnade anflehen? Nur der­jenige, welcher verblendeten Sinnes und verkehrten Herzens ist, vermag diese Wonne eines betenden Christen zu verkennen.

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2. Daß es Pflicht ſei, oft zu beten.

Es erhellt von selbst aus der Natur des Gebetes überhaupt, daß das öftere Gebet, schon nach der bloßen Vorschrift der geſun­den Vernunft, für Jedermann ohne Ausnahme unerläßliche Pflicht sei. Alle Menschen nämlich erkennen Gott als das höchst vollkom­mene Wesen und die unendliche Majestät, als den Ursprung und Herrn aller Dinge, als unser unbegrenztes Gut und unser letztes Ziel. Die Vernunft und das Gewissen sagen nun bei dieser Be­trachtung der göttlichen Natur einem Jeden, daß wir die höchste Majestät Gottes und seine Herrschaft über uns nicht blos aner­kennen müssen, sondern auch, daß wir, als seine Geschöpfe, Unter­thanen und Kinder, in den Staub niedersinken sollen, um Ihm die gebührende Ehre, Liebe, Huldigung, Bewunderung darzubrin­gen, und daß wir allen unsern Handlungen und Entschließungen eine fromme Richtung auf Gott, als unser letztes Ziel, geben und sie Ihm als Opfer weihen müssen. Und da wir Alles, was wir sind und haben, blos von Gott empfangen, so müssen wir Ihn auch als unsern größten Wohlthäter anerkennen und Ihm kind­lichen Dank zollen. Wer sich durch Sünde von Gott als von sei­nem letzten Ziele und höchsten Gute entfernt, und sich durch Un= gehorsam wider Ihn empört, dem sagt sein folterndes Gewissen, daß er mit reuigem Herzen über seine Vergehungen Gott um Ver­zeihung anzuflehen, und sich durch Genugthuung mit Ihm wieder auszusöhnen habe. Wenn wir endlich ohne Gott Nichts, durch Ihn aber Alles vermögen, so müssen wir schon nach dem Gebote der Selbst- und Nächstenliebe diese unsre Ohnmacht anerkennen und uns mit unseren Anliegen zu Ihm wenden, der als der All­wissende unsere Noth kennt, der als der Allmächtige ihr abhelfen kann, und als der Allgütige ihr auch abhelfen will, wofern wir darum anhalten. Bittet, sagt Christus, so wird euch