V. Gebete.
ich mich nicht bedecken und nicht entschuldigen, sondern mit dem verlorenen Sohne bekennen: Vater, ich habe gefündiget im Himmel und vor dir.
Rein einziges deiner heiligen Gebote habe ich gehalten, wie ich hätte sollen. Alle habe ich wenigstens in Gedanken und Begierden oft über treten. Ich habe andere Götter gehabt neben dir. Ich habe dich nicht geliebt als das höchste Gut aus allen Kräften, mich nicht an dich gehalten als meinen Herrn und Gott. Auch habe ich mein Vertrauen nicht auf dich allein gegründet, sondern oft Fleisch für meinen Arm gehalten. Deinen heiligen Namen habe ich unnük geführt. Im Gebet bin ich viel zu träge und schläfrig gewesen und mit deinem Wort und dessen Predigt gleichgiltig umgegangen. Ich habe dich nicht geehrt durch echtes Bekenntnis in Wort und Wandel.
O mein Gott, wie groß ist meine Schuld gegen dich, wie zahllos sind meine Übertretungen und Versäumniffe, wie falt meine Liebe, wie tot mein Glaube; wie schwach und be fleckt ist auch das wenige Gute an mir! Wie habe ich in allem mich, nicht dich und deine Ehre gesucht!
Und wie vieler Sünden können meine Nebenmenschen mich anklagen? Gegen Eltern, Lehrer und Vorgesetzte bin ich nicht gehorsam und treu genug, nicht so gewissenhaft gewesen, daß man in all mein Thun und Laffen, in alle meine Worte und Gedanken mir hätte hineinsehen dürfen, ohne mich da oder dort lieblos, nachlässig, träg, untreu und ungehorsam zu finden.
Und wie sehr fehlt es mir an der brüderlichen und an der allgemeinen Menschenliebe! Wie oft find
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Zorn und Rachsucht, Haß und Bitterkeit in mir aufgestiegen! Ich habe nicht vergeben, wo ich sollte, und nicht alles gethan, um den Frieden herzustellen. Anstatt dem Nächsten mit Troft und Rat zu helfen und für sein leibliches und geistliches Wohl zu sorgen, habe ich nur an mich und meinen Vorteil gedacht. Und wie befleckt ist oft mein Wesen durch unreine Lüfte und Begierden gewesen! In Fleischeslust, Augenluft und hoffärtigem Wesen habe ich der Eitelkeit gedient. Auch wie mancher Unredlichkeit und Untreue in Anwendung deiner Gaben muß ich mich schuldig bekennen! Die Kräfte meines Leibes und meiner Seele, die edle Zeit und was du mir von Gütern gegeben hast, habe ich nicht so benutzt, wie es einem treuen Haushalter gebühret; ja selbst des Nächsten Eigentum war mir nicht so heilig, daß ich von aller Untreue mich freisprechen könnte. Auch des Nächsten Name war mir nicht teuer genug. O wie viele Zungensünden zeugen wider mich, wie manche Verleumdung, wie vieles lieblose Richten, wie viele Verkleinerungssucht und Schadenfreude! Ich habe überhaupt tausendfältig mich des Bösen gelüften lassen. Ach, mein Gott, wie groß ist meine Not! Du läsfest mir sagen: Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun. Ach, Gott, erbarme dich meiner! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht. Du hast ja deinen eingebornen Sohn auch für mich dahingegeben. Um Jesu willen sei mir gnädig, sein Verdienst laß mir gelten, seine Fürsprache laß für mich reden, um seinetwillen erfülle deine Verheißung: Ich vertilge deine Missethat, wie eine Wolke, und deine


