112 Die Beschreibung von der Zerstoͤhrung Jerusalems.
wenn sie sogleich die waffen nie⸗ derlegen und sich ergeben wuͤrdenz als sie sich aber dessen, unter der vorschuͤtzung eines eides, weiger⸗ ten, und einen freien abzug ver⸗ langten, versagte er ihnen alle gnadezůͤbergab die untere stadt der pluͤnderung und dem feuer, und griff den noch uͤbrigen obern theil derselben an, in welchen sich die saͤmtlichen aufruͤhrer unter dem Simon und Johannes gezo⸗ gen hatten. So bald die Roͤmi⸗ schen maschinen auch hie die mauer durchbrochen, uͤberstel diese hartnaͤckigen die muhtloseste ver⸗ wirrung. Voll furcht und schrecken verliessen sie die von ihnen besei⸗ ten sehr festen thuͤrme, versuchten vergeblich durch die Roͤmischen verschanzungen zu entkommen⸗ und verbargen sich endlich in un⸗ terirdische hoͤlen. Die Roͤmer be⸗ maͤchtigten sich also auch der gan⸗ zen obern stadt, plunderten selbi⸗ ge, und zuͤndeten sie nach der ent⸗ sezlichsten niederlage unter den einwohnern mit feuer an. Dieses geschahe am Sten September des jahres 70 nach Christi geburt.
Als Titus in die nun voͤllig er⸗ oberte stadt gieng, und die unge⸗ meine festigkeit ihrer mauren und thuͤrme bewunderte; brach er in dieses ihm ruͤhmliche gestaͤndniß aus: Wir haben mit GOttes hey⸗ stand krieg gefuͤhret; es ist GOtt, der die Juden aus diesen festun⸗ gen herausgetrieben hat: denn was wuͤrden menschliche haͤnde und maschinen gegen solche thüͤr⸗ me vermoͤgen?
Gleich nach der eroberung wur⸗s
den die noch uͤbrigen aufruͤhrer saͤmtlich getoͤdtet. Die ansehn⸗ lichsten jünglinge wurden zum triumph des Titus, die übrigen gefangenen aber zu denRoͤmischen
schauspielen oder zu schweren ar⸗ beiten bestimmet: die, so unter 17 jahren, wurden verkauft. Die zahl aller in dem gaͤnzen kriege ge⸗ fangenen rechnet Josephus auf 97⁰⁰⁰, und der in der belagerung umgekommenen auf IIOOOoo, ausser der grossen menge, die sonst in diesem kriege ihr leben ver⸗ lohren; und macht jene grosse an⸗ zahl aus der unter dem Cestius berechneten zahl der oßer⸗laͤmmer begreiflich. Simon und Johannes geriehten aus ihren hoͤlen endlich auch in die haͤnde der Roͤmer. Sie wurden gleichfals zum triumph des Titus art ehalten, und nach selbigem der erste zum tode, der andere aber zeitlebens zum ge⸗ faͤngniß verurtheilet.
Die saͤmtlichen uͤberbleibsel der stadt, ausser dreyen thuͤrmen und einem theil der mauer, wurden auf Titi befehl dem erdboden gleich gemacht. Jerusalem ward also nach Christi weissagung voͤl⸗ lis geschleifet. 2
Wie nun diese merkwuͤrdige geschichte, nebst der ganz son⸗ derbaren erhaltung der Juͤdi⸗ schen nation bey ihrer grossen zer⸗ streuung, die goͤttlichkeit der lehre IEsu ausnehmend besaͤtiget; so muß einem jeden, der solche be⸗ kennet, bey einer mitleidigen er⸗ wegung dieser gerichte GOttes, jene warnung des Apostels stets wichtig bleiben: Sey nicht stolz sondern fuͤrchte dich. Hat GOtt der natuͤrlichen zweige nicht ver⸗ schonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Darum chaue die gute und den ernstGOt⸗ tes: den ernst an denen, die ge⸗ fallen sind; die guͤte aber an dir, so ferne du an der guͤte bleibest;
sonst wirst du auch abge⸗ hauen werden.


