Von den Worten und Weisen des Gesangbuches
lied weniger reich entfaltet hatte, da man sich dort mehr auf den Gesang der in deutsche Reime gefaßten Psalmen beschränkte. Aber doch hat es ihr nicht an hervorragenden dichtern gefehlt. Noch in das 17. Jahrhundert gehört Joachim Neander, den man wohl den Psalmisten des Neuen Bundes genannt, und dessen„Cobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ in der ganzen evan⸗ gelischen Kirche eine so weite Verbreitung gefunden hat, wie nur die Cieder Cuthers und P. Gerhardts(151 210 212 227). Ein anderes Uind der alten reformierten hansestadt Bremen war Frie dr. Adolf Campe(245 357). Beide aber werden an Ciefe und Sart⸗ heit der Empfindung, an Schönheit der Sprache und Anmut der Form überragt von Gerhard Tersteegen, einem Reformierten des Niederrheins, der außerhalb der Grenzen seiner Honfession in freien religiösen Gemeinschaften lebte und wirkte. Erst im 19. Jahrhundert hat man angefangen, seinen vollen Wort zu erkennen und den Gemeinden das Heiligtum seiner keuschen undstillen Frömmig⸗ keit zu erschließen(77 89 145 145 228 255 255 285).
So reich wie das Jahrhundert des dreißigjährigen Krieges war 9. das des Pietismus nicht an Weisen für die Gemeinde, obwohl in ihm gerade die größten evangelischen Tonmeister lebten, von denen der eine, Johann Sebastian Bach(584 594 404 S. 455), ganz für die Kirche wirkte, während der andere, Georg§ried— rich händel, in großen Werken, Oratorien, besonders die Ge— schichten der heiligen Schrift des Klten Cestamentes dem Volke vor⸗ führte(360). Huch Bachs Sohn Philipp Emanuel hat schöne weisen geschrieben(209 345); ferner der Schweizer Kaspar Bachofen(86 161),„der Hssaph der Brüdergemeinde“ Christian Gregor(58 39 S. 459) u. a. Aber im großen und ganzen er⸗ mattete doch die Musik auf dem Gebiete der Kirche, während sie auf dem Selde edler weltlicher Kunst die herrlichsten Blüten trieb.
Das war kein Wunder, da überhaupt im religiösen Leben eine 10
Seit der Ermattung eintrat, die man gewöhnlich als Rationalismus zu bezeichnen pflegt, in der an Stelle der Unmittelbarkeit der gläubigen Empfindung nüchterne Überlegung trat, an Stelle der Freude über Gottes Heilstaten das Betonen der allgemeinen Wahr⸗ heiten der Vernunft. Wir wollen unsre bäter nicht schelten oder gar verdammen, an schlichter Frömmigkeit und Rechtschaffenheit haben sie gewiß viele ihrer Söhne übertroffen. Uber daß sie für das Kirchenlied, den unmittelbaren Erguß der gläubigen Seele,
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