Von den Worten und Weisen des Gesangbuches
so recht wie Rosen unter den Dornen hervorgeblüht sind. Unter den Tonsetzern nennen wir an erster Stelle den größten deutschen Meister des 17. Jahrhunderts, Heinrich Schütz, der das ganze Psalmenbuch mit Liederweisen versehen hat(165 197 347); seinen berühmten Freund Schein(92 254 287); seinen Neffen Heinrich Albert(82 97 121 122 130 159 240 317 409). Wie dieser, so waren auch K. von Cöwenstern(220) und der Verfasser des schlichten Trostliedes„Wer nur den lieben Gott läßt walten“, Georg Neumark(195 195 305 324 369), Dichter und Ton⸗ setzer zu gleicher Seit. Von anderen Meistern sollten nicht vergessen werden Johann Schop(13 155 157 144 224 284), Johann Georg Ebeling(20 319 320 388), Melchior Vulpius(70 175 350 572 582 598 401 407), aber auch der Katholik Georg Joseph(2), der die Weisen zu den Liedern eines Mannes ge— schrieben, welcher später zur katholischen Kirche übertrat, Johann Schefflers, dessen Dichtungen voll glühender Ciebe zu Jesus von den Evangelischen bis heute mit besonderer Vorliebe gesungen
wurden(257 240 287 586). In der nun folgenden Seit entbrannte in der evangelischen Kirche
ein Streit, von dessen erbitterter Schärfe man sich heutzutage kaum eine Vorstellung macht. Im Gegensatze zu den orthodoxen, d. h. rechtgläubigen, Vertretern der Kirchenlehre, bei denen vielfach toter Buchstabenglaube und weltliches Leben an Stelle warmer, tatkräf— tiger Frömmigkeit getreten war, betonten die sogenannten Pietisten ein lebendiges, biblisches, von kirchlichen Formen freies Christen— tum, das aber Gefahr lief, in ungesunde Gefühlsschwärmerei und gesetzlich enges, der reformatorischen Freiheit widersprechendes Le— ben zu verfallen. Dieser Widerstreit brachte in das Ceben der evan— gelischen Kirche eine Bewegung, durch die auch im Liede viele bisher noch nicht zu vollem Husdruck gekommene Seiten des Christentums entfaltet wurden. Mehr und mehr traten die Erfahrungen der einzelnen Person an die Stelle der Bekenntnisse der Kirche, und wo das nicht in ungezügelter Weise geschah, konnte dadurch das Ceben der Gemeinde nur bereichert werden, da sich in ihr die Flamme des Glaubens immer wieder an den Erfahrungen des Einzelnen ent— zünden muß. So hat denn auch das Urteil unserer Gemeinden längst entschieden, daß sie sich die Lieder aus dieser Zeit und die ihnen gleichartigen Weisen nicht rauben lassen wollen. Daß übrigens wahre§Frömmigkeit in jenen Tagen nicht bloß bei den pietisten
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